Gefäßfehlbildungen - gezielt diagnostizieren und behandeln

"Gefäßfehlbildungen sind meist angeborene Veränderungen von Blut- oder Lymphgefäßen. Sie können unauffällig bleiben, aber auch Schmerzen, Schwellungen, Hautveränderungen oder Bewegungseinschränkungen verursachen. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Art, Größe und Lage der Gefäßfehlbildung sowie von den Beschwerden ab. In der Interventionellen Radiologie stehen uns heute bildgesteuerte Verfahren zur Verfügung, mit denen viele dieser Veränderungen gezielt und möglichst schonend behandelt werden können."

Was sind Gefäßfehlbildungen?

Gefäßfehlbildungen können an unterschiedlichen Stellen des Körpers auftreten. Manche bleiben unbemerkt, andere werden erst im Laufe des Lebens sichtbar oder verursachen Beschwerden.

Je nachdem, welche Gefäße betroffen sind, unterscheiden wir verschiedene Formen:

  • Venöse Gefäßfehlbildungen betreffen die Venen. Das Blut fließt hier meist langsam. Typisch können bläuliche Hautveränderungen, Schwellungen oder Schmerzen sein.
  • Lymphatische Gefäßfehlbildungen betreffen die Lymphgefäße. Sie können zu Schwellungen oder Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe führen.
  • Arteriovenöse Gefäßfehlbildungen (AVM) sind direkte Verbindungen zwischen Arterien und Venen. Durch diese Verbindung fließt das Blut deutlich schneller.

Für die Behandlung ist es wichtig zu wissen, welche Gefäße betroffen sind und wie das Blut durch die Gefäßfehlbildung fließt. Venöse und lymphatische Gefäßfehlbildungen gehören meist zu den sogenannten Low-Flow-Fehlbildungen, während arteriovenöse Fehlbildungen zu den High-Flow-Fehlbildungen zählen.

Mit Ultraschall und MRT können wir die Gefäßfehlbildung genau untersuchen und ihre Ausdehnung beurteilen. Je nach Art der Fehlbildung können weitere Untersuchungen notwendig sein. Die Ergebnisse helfen uns dabei, die für Sie passende Behandlung zu planen.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht jede Gefäßfehlbildung muss behandelt werden. Wenn Beschwerden bestehen oder eine Behandlung medizinisch sinnvoll ist, stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem:

  • Verlaufskontrollen
  • Kompressionstherapie
  • medikamentöse Behandlung in ausgewählten Fällen
  • Sklerotherapie
  • Bleomycin-Elektrosklerotherapie (BEST)
  • operative Verfahren
  • weitere bildgesteuerte Behandlungen

Was ist die Sklerotherapie?

Die Sklerotherapie ist ein etabliertes minimalinvasives Verfahren, das insbesondere bei langsam fließenden venösen und lymphatischen Gefäßfehlbildungen eingesetzt wird.

Dabei wird die Gefäßfehlbildung unter bildgebender Kontrolle – beispielsweise mit Röntgendurchleuchtung oder Ultraschall – gezielt punktiert. Über eine feine Nadel wird anschließend ein Sklerosierungsmittel direkt in die Fehlbildung eingebracht. Dieses reizt die Gefäßwand und führt dazu, dass sich die behandelten Gefäßräume verschließen. Im weiteren Verlauf kann sich die Gefäßfehlbildung dadurch deutlich verkleinern.

Je nach Art und Ausdehnung der Gefäßfehlbildung können mehrere Behandlungssitzungen erforderlich sein.

Was ist die Bleomycin-Elektrosklerotherapie (BEST)?

BEST steht für Bleomycin ElectroScleroTherapy. Das Verfahren verbindet die Sklerotherapie mit kurzen elektrischen Impulsen.

Dabei wird zunächst der Wirkstoff Bleomycin gezielt in die Gefäßfehlbildung eingebracht. Anschließend werden über spezielle Elektroden kurze elektrische Impulse abgegeben. Dadurch wird die Zellmembran vorübergehend durchlässiger und Bleomycin kann verstärkt in die behandelten Zellen aufgenommen werden. Die bei BEST eingesetzte Bleomycin-Menge ist deutlich geringer als bei einer systemischen Behandlung mit Bleomycin und wird gezielt, niedrig-dosiert verwendet.

Die Behandlung erfolgt unter bildgebender Kontrolle und wird an die Größe, Lage und Beschaffenheit der Gefäßfehlbildung angepasst.

Warum BEST?

BEST kann bei ausgewählten venösen oder lymphatischen Gefäßfehlbildungen mit langsamem Blut- oder Lymphfluss eingesetzt werden. Besonders bei ausgedehnten, schwer zugänglichen oder bereits vorbehandelten Gefäßfehlbildungen kann die Methode eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit darstellen.

Durch die Kombination aus lokaler Bleomycin-Behandlung und kurzen elektrischen Impulsen soll die Wirkung des Wirkstoffs direkt in der Gefäßfehlbildung verstärkt werden. Dadurch kann das behandelte Gewebe gezielt erreicht werden, während umliegendes gesundes Gewebe möglichst geschont wird.

Ob BEST im Einzelfall geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Entscheidung erfolgt individuell und wird bei komplexen Befunden interdisziplinär getroffen.

Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?

Sklerotherapie und BEST sind minimalinvasive Verfahren, die in der Regel gut verträglich sind. Wie bei jedem Eingriff können jedoch Nebenwirkungen auftreten.

Häufig sind vorübergehende Schmerzen, Schwellungen, Druck- oder Spannungsgefühle im behandelten Bereich. Auch Hautreizungen oder vorübergehende Verfärbungen der Haut können auftreten.

Je nach Lage und Ausdehnung der Gefäßfehlbildung bestehen weitere, seltenere Risiken, zum Beispiel Blutungen, Infektionen oder eine Verletzung umliegender Strukturen. Bei der Sklerotherapie kann das Sklerosierungsmittel in seltenen Fällen auch gesundes Gewebe beeinträchtigen.

 

 

Kontakt & Terminvereinbarung

Sie möchten eine Gefäßfehlbildung bei uns abklären oder eine mögliche interventionelle Behandlung besprechen? Das Team der Radiologie und Nuklearmedizin berät Sie gerne persönlich und wir prüfen anhand Ihrer Befunde, welche Behandlungsmöglichkeiten in Ihrem individuellen Fall infrage kommen.