Kolostrum - was ist das überhaupt?

Der Körper bildet ab der 16. SSW Kolostrum, das ist die erste Muttermilch bis zur initialen Brustdrüsenschwellung (“Milcheinschuss”). Kolostrum ist meist dickflüssig, reich an Eiweiß, Vitaminen und bietet deinem Baby einen optimalen, an ihre Umgebung angepassten immunologischen Schutz. Es unterstützt und fördert die Ausscheidung des ersten Stuhlgangs (Mekonium). Zusätzlich wird der Abtransport von Bilirubin (Gelbsuchtwert) über den Darm unterstützt.

Ab wann kann mit der Kolostrumgewinnung begonnen werden?

Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft kann ab der 36+0 SSW mit der Kolostrumgewinnung per Handentleerung begonnen werden, ca. 3x täglich für 5-10 Minuten pro Brust.

Aufbewahrung von Kolostrum

  • Bei Raumtemperatur 6 Stunden
  • Im Kühlschrank (NICHT in der Tür) 4 Tage (0-4°C)
  • Im Gefrierfach 6 Monate (-18°C)

Wann ist es zu empfehlen, Kolostrum in der Schwangerschaft zu gewinnen?

Besonders zu empfehlen ist die Kolostrumgewinnung bei einem Gestationsdiabetes, DM Typ I oder II. Diese Neugeborenen könnten ein erhöhtes Risiko einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) entwickeln. Bei drohender Frühgeburt, Mehrlingsgeburt oder geplantem Kaiserschnitt sollte mit der Kolostrumgewinnung erst mit Geburtsbeginn oder frühestens zwei Tage vor dem Kaiserschnitt begonnen werden. Wenn bereits in der Schwangerschaft eine pathologische Diagnose gestellt wurde (LKG, Herzerkrankung oder neurologische Erkrankungen), kann es förderlich sein, bereits in der Schwangerschaft mit der Kolostrumgewinnung zu beginnen.

Gibt es Situationen nach der Entbindung, in denen eine Kolostrumgewinnung sinnvoll ist?

  • Ein saugschwaches Baby
  • Bei Trennung von Mutter und Kind
  • Bei wunden Mamillen (nach Überprüfung des Stillmanagements)
  • Erste Kolostrumgabe trotz dann folgendem Abstillwunsch
  • Um eine verzögerte initiale Brustdrüsenschwellung nach Kaiserschnitt zu verhindern

Brustmassage (Oxytocinmassage)

Platziere deine Hände ober- und unterhalb der Areola und massiere die Brust nach links und rechts.

Positioniere deine Hände nun senkrecht links und rechts der Areola und massiere deine Brust nach oben und unten.

Zwei flach angelegte Fingerkuppen massieren das Drüsengewebe und wandern spiralförmig um die Mamille mit sanftem Druck.

Vorteile gegenüber einer Milchpumpe

Durch die Berührung der Hände an der Brust werden die Nervenzellen stimuliert. Dadurch wird ein Reiz über Nervenbahnen an das Gehirn geleitet. Dort werden die wichtigsten Hormone fürs Stillen gebildet (Oxytocin und Prolaktin)

Gewinnung der Muttermilch von Hand

Daumen und Zeigefinger formen ein “C” und umschließen die Brust mit einem ca. 2-3 cm großen Abstand zur Mamille.

Hebe die Brust leicht an und führe sie zu deinem Körper.

Den Daumen und Zeigefinger mit leichtem Druck zur Mamille hin schließen (dies geschieht, ohne über das Drüsengewebe zu streichen).

Nun werden die Finger ohne Druck wieder in die Ausgangsposition zurückgeführt und der Vorgang wiederholt. Dabei sollten die Finger an Positionen rund um die Mamille angesetzt werden um die gesamte Brust zu stimulieren und zu entleeren.

Das gewonnene Kolostrum kann mit einem Löffel, Becher oder einer Spritze aufgefangen werden. Für die Aufbewahrung bietet sich eine verschlossene Spritze an. Beschrifte ein Etikett mit deinem Namen und dem Entnahmedatum und klebe es auf die Spritze.

Wenn du noch Fragen hast oder eine Anleitung benötigst, sprich uns gerne an!

Dein Team der Geburtshilfe im Eli Bochum