Ihre Experten für Stimm-, Sprach-, Schluck- und kindliche Hörstörungen

Die Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie am St. Elisabeth-Hospital ist eine Einrichtung der Ruhr-Universität Bochum. Integriert in sie ist ein phoniatrisch-pädaudiologisch geführtes Sozialpädiatrisches Zentrum. In der Abteilung werden Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck-, Redefluss- (Stottern, Poltern) und kindliche Hörstörungen, aber auch Hörverarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, Lese-Rechtschreib-, Mathematikstörungen und anderweitige Schulschwierigkeiten abgeklärt, diagnostiziert und einer modernen Behandlung zugeführt. Dazu arbeitet ein Team von Ärzten, Logopädinnen, Audiometrie-Assistentinnen, Klinischen Psychologinnen, Heil- und Sozialpädagoginnen und Wissenschaftlerinnen interdisziplinär eng zusammen.

Kinder und Säuglinge werden uns vorgestellt bei

  • Hörstörungen oder Verdacht auf Hörminderung
  • Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen
  • Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen
  • Schulschwierigkeiten: Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, Beschulungsfragen, Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsstörungen

Erwachsene werden uns vorgestellt bei

  • Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen
  • Schluckstörungen

Unser Team

Leitung

Prof. Dr. Christiane Völter

Leitung Hörkompetenzzentrum und Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie

Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Vita

Leitung

Dr. Sussan Nazari

Oberärztin Phoniatrie und Pädaudiologie

Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Schwerpunkte

  • Kindliche Hörstörungen
  • Sprachentwicklungsstörungen und -verzögerungen
  • Redeflussstörungen (Stottern oder Poltern)
  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (Hyperakusis)
  • Lese- / Rechtschreibstörungen (Legasthenie), Mathematikstörungen (Dyskalkulie)
  • Stimmstörungen
  • Schluckstörungen
  • Sprech- und Sprachstörungen bei Erwachsenen

Hörstörungen von Kindern aufdecken und behandeln ist wichtig für ihre weitere Entwicklung

Hörstörungen bei Kindern müssen früh erkannt und behandelt werden, andernfalls würden sie die sprachliche, soziale, emotionale und schulische Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen. In unserer Abteilung sind wir in einem kompetenten Team von Ärzten und Audiometrie-Assistentinnen damit beschäftigt, Hörstörungen zu diagnostizieren, einer Therapie zuzuführen und deren Verlauf langfristig zu begleiten. Zu unserer Arbeit zählt auch die Durchführung eines Neugeborenen-Hörscreenings, sofern es nicht in der Geburtsklinik durchgeführt wurde. Weiterhin klären wir das Hörvermögen von Kindern ab, z. B. nach auffälligem Neugeborenen-Hörscreening ab oder nach einer Auffälligkeit in einer kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung oder wenn die Eltern oder andere Personen den Verdacht haben, dass ein Kind nicht gut hört. Die Therapie reicht von der Einleitung hörverbessernder Operationen über die Anpassung moderner Hörgeräte bis hin zu Hörimplantaten (Cochlea-Implantate, Mittelohrimplantate, implantierbare oder knochenverankerte Hörgeräte). In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie und dem Hörkompetenzzentrum werden Ohrfehlbildungen und spezielle Hörstörungen durch Mittelohr- und Cochlea-Implantate behandelt. Weiterhin wird die Hör- und Sprach-Rehabilitation betroffener Kinder in enger Kooperation mit pädaudiologischen Frühförderstellen und Hörgeschädigten-Schulen, Sprachtherapeuten und Rehabilitationseinrichtungen durchgeführt bzw. eingeleitet und langfristig begleitet.

Eine gute Sprachentwicklung ist wichtig für die weitere Entwicklung eines Kindes

Eine verzögerte oder gestörte Sprachentwicklung wirkt sich meist nachhaltig auf die weitere soziale, emotionale, schulische und sogar spätere berufliche Entwicklung eine Kindes aus. Daher sollte sie möglichst früh abgeklärt und behandelt werden. Auch muss nach möglichen Ursachen für eine Sprach­entwicklungs­verzögerung oder -störung gesucht werden, z. B. nach einer Hörstörung oder einer sonstigen Entwicklungs­störung. Dies tun wir kompetent in unserem Team von Ärzten, Logopädinnen, Psychologinnen und Audiologinnen. Auch eine gute Elternberatung oder -schulung und pädagogische Förder­maßnahmen sind in diesem Zusammenhang wichtig.
Im Rahmen unseres phoniatrisch-pädaudio­logischen Sozialpädiatrischen Zentrums, werden Kinder mit Verdacht auf Sprach­entwicklungs­verzögerungen und -störungen oder bereits gesicherten Störungs­bildern von erfahrenen Logopädinnen untersucht, Therapien werden eingeleitet, in ihrem Verlauf begleitet, umgestellt, wo sinnvoll, oder beendet. Besonders anspruchsvoll ist dies für mehrfach behinderte Kinder, bei denen häufig die Sprach­entwicklung ganz ausbleibt und zunächst erst einmal nach einem Kommunikationsweg mit ihnen gesucht werden muss. Dies kann über Gebärden, Bilder oder elektronische Sprechhilfen geschehen. In unserem phoniatrisch-pädaudiologischen Sozial­pädiatrischen Zentrum behandeln wir viele Kinder mit Migrations­hintergrund; einige unserer Mitarbeiter sprechen Englisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. 

Stottern oder Poltern benötigen frühzeitig eine Spezialbehandlung

Etwa 1,4% aller Kinder und 0,8% aller Männer sowie 0,2% aller Frauen stottern. Ein geringerer Anteil an Menschen leidet an Poltern, das durch ein zu hohes oder unregelmäßiges Sprechtempo und eine oft schwer zu verstehende Aussprache gekennzeichnet ist. Ein kindliches Stottern bildet sich in 70-80% der Fälle zwar selbst zurück, meist in den ersten ein bis zwei Jahren seines Auftretens. Bleibt es aber bestehen, so kann es lebenslang die Kommunikation beeinträchtigen und negative emotionale und soziale Folgen haben. Wir klären in einem Team von Ärzten, Logopädinnen und Psychologinnen den Verdacht auf ein Stottern oder Poltern ab, führen eine Diagnostik mit Auswertung von Sprechproben und des Begleitverhaltens durch und leiten eine spezielle Stotter- oder Poltertherapie ein. Deren Erfolg begleiten wir auch in ihrem Verlauf und stellen sie nötigenfalls um. Bei Kindern sollte eine Behandlung nicht später als ein halbes bis ein Jahr nach Beginn der Redefluss­störung einsetzen. Wir kümmern uns auch um einen Nachteils­ausgleich für die Betroffenen.

Eine gestörte Hörverarbeitung und Wahrnehmung geht oft mit Sprachentwicklungs- oder Schulschwierigkeiten einher

Hören bedeutet nicht nur, dass das Ohr selbst gut funktionieren muss, sondern das Gehörte muss im Gehirn auch gut verarbeitet werden. Zwei bis drei Prozent aller Kinder, im Schulalter sogar fünf bis sieben Prozent, können bei normalem Hörvermögen und normaler Intelligenz gehörte Informationen nicht ausreichend gut verarbeiten. Eine solche Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung kann die Sprachentwicklung oder die schulische Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen. Sie kann sich an einer Vielzahl von Symptomen zeigen, von denen meist nur einige vorliegen, z. B. häufiges Missverstehen, häufiges Nachfragen, Sich-Orientieren an dem, was andere tun, besseres Verstehen in kleineren als in großen Gruppen, langsame Verarbeitung von Gehörtem, ein schwaches Hörgedächtnis, beim Sprachverstehen im Störgeräusch, eingeschränkte Hör-Aufmerksamkeit und Konzentration, Über- oder Unempfindlichkeit für bestimmte Geräusche, Lese-Rechtschreib-Probleme oder Probleme der Lautverarbeitung. Da Hörverarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen also ein heterogenes Spektrum von Auffälligkeiten mit einigen typischen Profilen umfassen, ist ein ganzes Spektrum an Tests für ihre Auffindung nötig, von denen meist nur einer oder einige auffällig ausfallen. In unserer Abteilung wird durch ein kompetentes Team von Ärzten, Audiologinnen, Psychologinnen und Logopädinnen in einer Reihe von Hör-, Sprach- und Intelligenztests abgeklärt, ob eine Hörverarbeitungs- und -wahrnehmungsstörung vorliegt und wie ihr Profil aussieht. Wir leiten Therapien und heimische oder schulische Fördermaßnahmen ein, beraten die Eltern dazu und überprüfen ihren langfristigen Erfolg. Zudem bieten wir eine eingehende Diagnostik bei Verdacht auf eine Hyperakusis an. Zu einer funktionierenden Hörverarbeitung gehört die Trennung von störendem und nützlichem Schall. Diese Funktion ist bei der Hyperakusis gestört, es besteht eine negativ bewertete, subjektive Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen normaler Lautstärke über das gesamte Frequenzspektrum menschlicher Hörwahrnehmung hinweg. Die Ursachen sind vielfältig und können im organischen Bereich liegen (z. B. Innenohrerkrankungen), aber auch Ausdruck von Überlastung und psychischer Beeinträchtigung sein. Eine Hyperakusis kann erhebliches subjektives Leiden verursachen, das sich in vegetativen Reaktionen (z.B. Schweißausbrüche, Herzrasen) äußern und zu Vermeidungsverhalten, sozialem Rückzug, bei Schulkindern zu Leistungsproblemen und -
verweigerung führen kann. In unserer Abteilung erfolgt im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Audiologinnen und Psychologinnen eine differenzierte Abklärung zur Frage des Vorliegens einer Hyperakusis und ihrer möglichen Ursachen. Grundlegend ist zunächst eine umfassende Erhebung der Krankheitsgeschichte, welche neben der medizinischen Untersuchung bei der ärztlichen Vorstellung erfolgt. In der audiologischen Diagnostik kommen neben der Erhebung eines Tonschwellen- und Sprachaudiogramms weitere, für die Fragestellung spezifische Untersuchungsverfahren zum Einsatz (u.a. Bestimmung der Unbehaglichkeitsschwelle, Lautheitsskalierung). Unsere Psychologinnen klären im Gespräch und mithilfe von Fragebögen, ob psychische Einschränkungen oder Belastungen vorliegen, die eine Hyperakusis mit verursachen oder aufrechterhalten könnten. Bei Schulkindern könnte unter diesem Aspekt optional auch eine umfassende Diagnostik der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung und der schulischen Fertigkeiten erfolgen. In der Zusammenschau der Befunde wird ein Behandlungsplan aufgestellt und erörtert, der neben Hilfsmitteln (z.B. Rauschgeneratoren) auch Entspannungsverfahren und eine ambulante, ggf. auch stationäre Hör- oder kognitve Verhaltenstherapie umfassen kann.

Lese-, Rechtschreib- und Mathematik­störungen werden bei uns abgeklärt und behandelt

Lese- und Rechtschreib­schwierigkeiten sind für die Betroffenen und die Familien meist ein großes Problem. Häufig sind durch diese spezifischen Schwierigkeiten nicht nur die schulischen Leistungen beeinträchtigt, sondern auch der generelle Schulerfolg auf lange Sicht mit negativen Auswirkungen auf die Leistungsmotivation und das Selbstvertrauen der betroffenen Kinder. Ursache für diese Störungen, die etwa 6 Prozent aller Kinder betrifft, ist in erster Linie eine genetische Veranlagung. Häufig gehen Lese-Rechtschreib-Störungen mit Aufmerksamkeits-, Hyperaktivitäts- und emotionalen Störungen sowie mit einer gestörten Hörverarbeitung und -wahrnehmung einher. Die Ärzte, Psychologinnen, Audiologinnen und Logopädinnen unserer Abteilung untersuchen systematisch, ob eine Lese- und/oder Rechtschreib­störung bzw. -schwäche vorliegt und ob ggf. zusätzliche Störungen hineinspielen. Auch Mathematik­störungen und allgemeine Schul­schwierig­keiten werden in unserer Abteilung abgeklärt und einer nötigen Förderung oder Behandlung zugeführt.

Wenn die Stimme nicht stimmt: Sänger und Menschen in Sprechberufen, ältere Menschen, Kinder - alle brauchen ihre Stimme

Im Rahmen der phoniatrischen Sprechstunde hat sich die Einrichtung auf die Diagnostik und Behandlung von Stimmstörungen spezialisiert, wie sie insbesondere bei professionellen Stimmbenutzern (Sänger, Sprecher, Schauspieler), aber auch bei stimmbelasteten Berufen (Lehrerinnen, Erzieherinnen, Ärzte, Pfarrer, Fitnesstrainer, Mitarbeiter in Call-Centern) oder bei älteren Menschen vorkommen. Weiterhin werden organische Stimmstörungen infolge von Kehlkopf­lähmungen, Magensäure­rückfluss, Allergien, Infektionen, Verletzungen oder Tumorerkrankungen behandelt. Für die hochspezialisierte Diagnostik stehen die digitale Video­strobo­skopie zur Analyse von Stimmlippen-Schwingungs­abläufen, die akustische Signalanalyse von Stimm- und Sprachaufnahmen, die Elektro­glotto­graphie und eine individuelle Stimm­leistungs­diagnostik zur Verfügung. Befundabhängig werden gegebenenfalls nötige Zusatz­untersuchungen eingeholt, eingehende Beratungen durchgeführt, individuell angepasste Behandlungs­konzepte erarbeitet und Therapien eingeleitet und in ihrem Verlauf begleitet. Für Patienten mit spasmodischer Dysphonie werden Behandlungen mit Botulinumtoxin angeboten.
Wir arbeiten eng mit Stimmbildnern und Gesangslehrern zusammen, auch im internationalen Rahmen.

Schluckstörungen beeinträchtigen die Lebensqualität

Behandlungs­bedürftige Schluck­störungen bestehen etwa bei 5 Millionen Menschen in Deutschland, d.h. bei etwa sieben Prozent der Bevölkerung. Ihre Zahl nimmt mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft zu. Sie betreffen etwa jeden Siebenten bis Achten oberhalb des 60. Lebensjahres und etwa die Hälfte der Menschen, die sich in Pflegeeinrichtungen befinden, mitunter aber auch Säuglinge und Kleinkinder. Sie können bei Kopf-Hals-Tumoren, neurologischen Erkrankungen oder Mehrfach­behinderungen vorkommen. In unserer Abteilung werden Schluckstörungen durch ein kompetentes Team von Ärzten und Logopädinnen mit modernen fiberendoskopischen Verfahren diagnostiziert (FEES). Nötigenfalls wird eine radiologische Diagnostik hinzugezogen. Bei vorliegenden Schluckstörungen werden individuell angepasste Behandlungskonzepte und Kostpläne erarbeitet, Beratungen durchgeführt, Verhaltens­hinweise gegeben und Therapien eingeleitet und in ihrem Verlauf begleitet. In enger Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik behandeln wir häufig Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, die an eingeschränkten Sprech-, Stimm- oder Schluck­funktionen leiden. Bei Menschen mit Tracheostoma führen wir ein Tracheal­kanülen­management durch.

Sprech-, Sprach-, Stimm und Schluckstörungen bei Hirnerkrankungen oder -verletzungen

Oft entstehen Sprech- und Sprachstörungen bei Erwachsenen nach Schlaganfällen, anderen neurologischen Erkrankungen oder Hirnverletzungen, z. B. durch Verkehrsunfälle, meist im Rahmen komplexer Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen, die einer langfristigen Behandlung und pflegerische Begleitung bedürfen. Unser Team von Ärzten und Logopädinnen deckt das gesamte diagnostische Spektrum ab, um solche Störungen zu diagnostizieren. Dazu gehören spezielle Sprachtests (z.B. Aachener Aphasietest, Frenchay Aphasie-Test) , eine moderne Stimmdiagnostik mit Videostroboskopie, akustischer Signalanalyse und kompetenter Beurteilung der Stimme und der Sprache selbst und eine Schluckdiagnostik mit fiber­endo­skopischen und bildgebenden Verfahren. Im Anschluss an die Diagnostik werden aufeinander abgestimmte Behandlungs­konzepte erarbeitet, Beratungen durchgeführt, Verhaltens­hinweise gegeben und Therapien eingeleitet und in ihrem Verlauf begleitet.

So erreichen Sie uns

St. Elisabeth-Hospital

Klinikum der Ruhr-Universität Bochum

Bleichstraße 15
44787 Bochum

Telefon 0234/509-80

Sekretariat Phoniatrie und Pädaudiologie

Michaela Niessala

Telefon 0234/509-8471
Telefax 0234/509-8393

Forschung

Folgende Forschungsprojekte werden derzeit in der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie oder unter ihrer maßgeblichen Beteiligung durchgeführt:

Projekt „Audiologischer Nutzen und subjektive Zufriedenheit mit dem ADHEAR AP und Adhesive Adapter im Vergleich mit einer knochenverankerten Hörhilfe am Softband in Kindern und Erwachsenen mit Schallleitungshörverlust“

Kinder und Erwachsene mit einem permanenten versorgungsbedürftigen Knochenleitungshörverlust können sich entweder einer Ohrchirurgie unterziehen oder mit konventionellen, meist stirnband- oder kopfbügelintegrierten Hörgeräten versorgt werden. Eine ohrchirurgische Lösung kann vom Patienten nicht erwünscht oder aus audiologischen, otologischen und allgemeineren Gründen nicht möglich sein und ist für Kinder ist meist erst ab einem Alter von 5 Jahren an sinnvoll bzw. möglich. Eine Versorgung mit Knochenleitungshörgeräten erfordert einen festen Andruck des Knochenleitungsschallprozessors am Kopf. Damit ist eine solche Lösung für Kinder erst ab sechs Altersmonaten möglich und geht häufig mit Missempfindungen und Nichtakzeptanz durch den starken Andruck, Schwitzen unter dem Stirnband, Abrutschen von Stirnband oder Bügel bei Kopffehlbildungen und kosmetischen Einschränkungen einher. Eine neue technische Lösung, das ADHEAR Hörsystem, scheint diese Nachteile zu überwinden, indem sein Audioprozessor an ein retroauriculär auf die Haut geklebtes Pflaster geklippt wird, das keinen Druck verursacht. Erste ausländische Studien haben belegt, dass für die Patienten keine Nachteile im Hörvermögen erleiden.

FoRUM (Forschungsförderung an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum)-Projekt „Untersuchung der neuronalen Hör- und Sprachverarbeitung bei der Redeflussstörung Poltern“, Förderkennzeichen F756-2012

Als Kernsymptomatik des Polterns gelten ein erhöhtes und/oder irreguläres Sprechtempo, phonologische (lautliche), Wort- und Satzstruktur-Störungen, typische Redeunflüssigkeiten und eine gestörte Selbstwahrnehmung der Symptome. Pathophysiologisch ist unklar, ob es überhaupt eine eigene Krankheitsentität bildet oder nur eine Normvariante normalen Sprechens. Ebenso wie beim Stottern entsteht Poltern entweder ohne erkennbare Ursachen in der Kindheit als originäres Poltern oder es tritt als erworbenes Poltern bei neurologischen Krankheitsbildern auf. Auch Stotter-Polter-Mischformen existieren. Für die besser untersuchte Redeflussstörung Stottern sind hirnmorphologische und -funktionelle Anomalien in sprechmotorischen Planungs- und Ausführungsregionen bekannt sowie zerebrale Kompensation und Reorganisation bei erfolgreicher Therapie und Remission. Da für beide Störungsbilder Parallelen existieren, z. B. eine als gestört anzunehmende sensomotorische Integration auditiver Feedback und Feedforward-Mechanismen in die Sprechplanung, untersuchte das Projekt, angelehnt an das Design vorheriger Arbeiten zum Stottern die behavioralen, neuromorphologischen und -funktionellen Korrelate des Polterns, indem es die auditive und Sprachverarbeitung polternder Erwachsenen sowie orale Diadochokinese Aufmerksamkeitsleistungen und mit der normal Sprechender verglich anhand behavioraler Tests von Sprache, Hören, Aufmerksamkeit, Motorik und auditiver Verarbeitung und Wahrnehmung, der Messung ereigniskorrelierter Potentiale sowie funktioneller und struktureller Magnetresonanztomographie.

Im Ergebnis war überraschend die Sprechgeschwindigkeit Polternder nicht höher als die nicht Polternder. Ein irreguläres Sprechtempo mit Stopps und Spurts lag nicht immer vor. Regelmäßig traten aber phonologische, Wort- oder Satzverletzungen auf. Eine soziale Ängstlichkeit bestand häufiger als bislang angenommen.