Ihre Experten für Stimm-, Sprach-, Schluck- und kindliche Hörstörungen

Die Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie am St. Elisabeth-Hospital ist eine Einrichtung der Ruhr-Universität Bochum. Integriert in sie ist ein phoniatrisch-pädaudiologisch geführtes Sozialpädiatrisches Zentrum. In der Abteilung werden Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck-, Redefluss- (Stottern, Poltern) und kindliche Hörstörungen, aber auch Hörverarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, Lese-Rechtschreib-, Mathematikstörungen und anderweitige Schulschwierigkeiten abgeklärt, diagnostiziert und einer modernen Behandlung zugeführt. Dazu arbeitet ein Team von Ärzten, Logopädinnen, Audiometrie-Assistentinnen, Klinischen Psychologinnen, Heil- und Sozialpädagoginnen und Wissenschaftlerinnen interdisziplinär eng zusammen.

Kinder und Säuglinge werden uns vorgestellt bei

  • Hörstörungen oder Verdacht auf Hörminderung
  • Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen
  • Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen
  • Schulschwierigkeiten: Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, Beschulungsfragen, Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsstörungen

Erwachsene werden uns vorgestellt bei

  • Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen
  • Schluckstörungen

Für Sänger, Schauspieler, Sprecher und andere professionelle Stimmnutzer besteht eine Spezialsprechstunde.

Prof. Dr. Katrin Neumann

Leitende Ärztin Phoniatrie und Pädaudiologie

0234/509-8470 Vita

Dr. Sussan Nazari

Oberärztin Phoniatrie und Pädaudiologie

Schwerpunkte

  • Kindliche Hörstörungen
  • Sprachentwicklungsstörungen und -verzögerungen
  • Redeflussstörungen (Stottern oder Poltern)
  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen
  • Lese- / Rechtschreibstörungen (Legasthenie), Mathematikstörungen (Dyskalkulie)
  • Stimmstörungen
  • Schluckstörungen
  • Sprech- und Sprachstörungen bei Erwachsenen

Hörstörungen von Kindern aufdecken und behandeln ist wichtig für ihre weitere Entwicklung

Hörstörungen bei Kindern müssen früh erkannt und behandelt werden, andernfalls würden sie die sprachliche, soziale, emotionale und schulische Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen. In unserer Abteilung sind wir in einem kompetenten Team von Ärzten und Audiologinnen damit beschäftigt, Hörstörungen zu diagnostizieren, einer Therapie zuzuführen und deren Verlauf langfristig zu begleiten. Zu unserer Arbeit zählt auch die Durchführung eines Neugeborenen-Hörscreenings, sofern es nicht in der Geburtsklinik durchgeführt wurde. Weiterhin klären wir das Hörvermögen von Kindern ab, z. B. nach auffälligem Neugeborenen-Hörscreening ab oder nach einer Auffälligkeit in einer kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung oder wenn die Eltern oder andere Personen den Verdacht haben, dass ein Kind nicht gut hört. Die Therapie reicht von der Einleitung hörverbessernder Operationen über die Anpassung moderner Hörgeräte bis hin zu Hörimplantaten (Cochlea-Implantate, Mittelohrimplantate, implantierbare oder knochenverankerte Hörgeräte). In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie und dem CI-Zentrum Ruhrgebiet werden Ohrfehlbildungen und spezielle Hörstörungen durch Mittelohr- und Cochlea-Implantate behandelt. Weiterhin wird die Hör- und Sprach-Rehabilitation betroffener Kinder in enger Kooperation mit pädaudiologischen Frühförderstellen und Hörgeschädigten-Schulen, Sprachtherapeuten und Rehabilitationseinrichtungen durchgeführt bzw. eingeleitet und langfristig begleitet.

Eine gute Sprachentwicklung ist wichtig für die weitere Entwicklung eines Kindes

Eine verzögerte oder gestörte Sprachentwicklung wirkt sich meist nachhaltig auf die weitere soziale, emotionale, schulische und sogar spätere berufliche Entwicklung eine Kindes aus. Daher sollte sie möglichst früh abgeklärt und behandelt werden. Auch muss nach möglichen Ursachen für eine Sprach­entwicklungs­verzögerung oder -störung gesucht werden, z. B. nach einer Hörstörung oder einer sonstigen Entwicklungs­störung. Dies tun wir kompetent in unserem Team von Ärzten, Logopädinnen, Psychologinnen und Audiologinnen. Auch eine gute Elternberatung oder -schulung und pädagogische Förder­maßnahmen sind in diesem Zusammenhang wichtig.
Im Rahmen unseres phoniatrisch-pädaudio­logischen Sozialpädiatrischen Zentrums, werden Kinder mit Verdacht auf Sprach­entwicklungs­verzögerungen und -störungen oder bereits gesicherten Störungs­bildern untersucht, Therapien werden eingeleitet, in ihrem Verlauf begleitet, umgestellt, wo sinnvoll, oder beendet. Besonders anspruchsvoll ist dies für mehrfach behinderte Kinder, bei denen häufig die Sprach­entwicklung ganz ausbleibt und zunächst erst einmal nach einem Kommunikationsweg mit ihnen gesucht werden muss. Dies kann über Gebärden, Bilder oder elektronische Sprechhilfen geschehen. In unserem phoniatrisch-pädaudiologischen Sozial­pädiatrischen Zentrum behandeln wir viele Kinder mit Migrations­hintergrund; einige unsere Mitarbeiter sprechen Englisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. 

Stottern oder Poltern benötigen frühzeitig eine Spezialbehandlung

Etwa 1,4% aller Kinder und 0,8% aller Männer sowie 0,2% aller Frauen stottern. Ein geringerer Anteil an Menschen leidet an Poltern, das durch ein zu hohes oder unregelmäßiges Sprechtempo und eine oft schwer zu verstehende Aussprache gekennzeichnet ist. Ein kindliches Stottern bildet sich in 70-80% der Fälle zwar selbst zurück, meist in den ersten ein bis zwei Jahren seines Auftretens. Bleibt es aber bestehen, so kann es lebenslang die Kommunikation beeinträchtigen und negative emotionale und soziale Folgen haben. Unsere Abteilung, von der aus die interdisziplinäre konsens- und evidenzbasierte Leitlinie zu Redefluss­störungen koordiniert wurde, in der die 17 in Deutschland damit befassten Fachgesellschaften Empfehlungen für die moderne Behandlung von Redefluss­störungen abgaben, ist auf diesem Gebiet besonders kompetent. Wir klären in einem Team von Ärzten, Logopädinnen und Psychologinnen den Verdacht auf ein Stottern oder Poltern ab, führen eine Diagnostik mit Auswertung von Sprechproben und des Begleitverhaltens durch und leiten eine spezielle Stotter- oder Poltertherapie ein. Deren Erfolg begleiten wir auch in ihrem Verlauf und stellen sie nötigenfalls um. Bei Kindern sollte eine Behandlung nicht später als ein halbes bis ein Jahr nach Beginn der Redefluss­störung einsetzen. Wir kümmern uns auch um einen Nachteils­ausgleich für die Betroffenen.

Eine gestörte Hörverarbeitung und Wahrnehmung geht oft mit Sprachentwicklungs- oder Schulschwierigkeiten einher

Hören bedeutet nicht nur, dass das Ohr selbst gut funktionieren muss, sondern das Gehörte muss im Gehirn auch gut verarbeitet werden. Zwei bis drei Prozent aller Kinder, im Schulalter sogar fünf bis sieben Prozent, können bei normalem Hörvermögen und normaler Intelligenz gehörte Informationen nicht ausreichend gut verarbeiten. Eine solche Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung kann die Sprachentwicklung oder die schulische Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen. Sie kann sich an einer Vielzahl von Symptomen zeigen, von denen meist nur einige vorliegen, z. B. häufiges Missverstehen, häufiges Nachfragen, Sich-Orientieren an dem, was andere tun, andere Dinge tun als gefordert, besseres Verstehen in kleineren als in großen Gruppen, langsame Verarbeitung von Gehörtem , ein schwaches Hörgedächtnis, Probleme beim Erkennen und bei der Unterscheidung von Schallreizen, bei der Auffinden von Schallquellen, beim Sprachverstehen im Störgeräusch, eingeschränkte Hör-Aufmerksamkeit und Konzentration, leichte Ablenkbarkeit, Über- oder Unempfindlichkeit für bestimmte Geräusche, wenig Interesse, Aufmerksamkeit oder kurze Ausdauer beim Hören von Geschichten, Verwechseln ähnlich klingender Wörter, Probleme beim Lernen von Reimen, Liedtexten oder Gedichten, Rhythmusprobleme beim Klatschen zu Reimen oder Liedern, Lese-Rechtschreib-Probleme oder Probleme der Lautverarbeitung. Da Hörverarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen also ein heterogenes Spektrum von Auffälligkeiten mit einigen typischen Profilen umfassen, ist eine ganze Batterie von Tests für ihre Auffindung nötig, von denen meist nur einer oder einige auffällig ausfallen. In unserer Abteilung wird durch ein kompetentes Team von Ärzten, Audiologinnen, Psychologinnen und Logopädinnen in einer Reihe von Hör-, Sprach- und Intelligenztests abgeklärt, ob eine Hörverarbeitungs- und -wahrnehmungsstörung vorliegt und wie ihr Profil aussieht. Wir leiten Therapien und heimische oder schulische Fördermaßnahmen ein, beraten die Eltern dazu und überprüfen ihren langfristigen Erfolg.

Lese-, Rechtschreib- und Mathematik­störungen werden bei uns abgeklärt und behandelt

Lese- und Rechtschreib­schwierigkeiten sind für die Betroffenen und die Familien meist ein großes Problem. Sie führen zu Misserfolgs­erlebnissen, Klassen­wiederholungen, Schulversagen und Schulunlust. Ursache für diese Störungen, die etwa 6 Prozent aller Kinder betrifft, ist in erster Linie eine genetische Veranlagung. Häufig gehen Lese-Rechtschreib-Störungen mit Aufmerksamkeits-, Hyperaktivitäts- und emotionalen Störungen sowie mit einer gestörten Hörverarbeitung und -wahrnehmung einher. Die Ärzte, Psychologinnen, Audiologinnen und Logopädinnen unserer Abteilung untersuchen systematisch, ob eine echte Lese- und/oder Rechtschreib­störung vorliegt und ob ggf. zusätzliche Störungen hineinspielen. Seit kurzem bietet das Team auch eine Lese- und Rechtschreibförderung durch die hauseigenen, speziell geschulten Psychologinnen Sandra Grave und Christiane Albuscheit in Einzel- und Zweiersitzungen an. Auch Mathematik­störungen und allgemeine Schul­schwierig­keiten werden in unserer Abteilung abgeklärt und einer nötigen Förderung oder Behandlung zugeführt.

Wenn die Stimme nicht stimmt: Sänger und Menschen in Sprechberufen, ältere Menschen, Kinder - alle brauchen ihre Stimme

Im Rahmen der phoniatrischen Sprechstunde hat sich die Einrichtung auf die Diagnostik und Behandlung von Stimmstörungen spezialisiert, wie sie insbesondere bei professionellen Stimmbenutzern (Sänger, Sprecher, Schauspieler), aber auch bei stimmbelasteten Berufen (Lehrerinnen, Erzieherinnen, Ärzte, Pfarrer, Fitnesstrainer, Mitarbeiter in Call-Centern) oder bei älteren Menschen vorkommen. Weiterhin werden organische Stimmstörungen infolge von Kehlkopf­lähmungen, Magensäure­rückfluss, Allergien, Infektionen, Verletzungen oder Tumorerkrankungen behandelt. Für die hochspezialisierte Diagnostik stehen die digitale Video­strobo­skopie zur Analyse von Stimmlippen-Schwingungs­abläufen, die akustische Signalanalyse von Stimm- und Sprachaufnahmen, die Elektro­glotto­graphie und eine individuelle Stimm­leistungs­diagnostik zur Verfügung. Befundabhängig werden gegebenenfalls nötige Zusatz­untersuchungen eingeholt, eingehende Beratungen durchgeführt, individuell angepasste Behandlungs­konzepte erarbeitet und Therapien eingeleitet und in ihrem Verlauf begleitet. Eine in der Abteilung entwickelte Resonanz­therapie wird erfolgreich zur Behandlung auch von sehr schweren Stimmstörungen eingesetzt. Für Patienten mit spasmodischer Dysphonie werden Behandlungen mit Botulinumtoxin angeboten.
Einen besonderen Schwerpunkt bilden Diagnostik und Therapie von Störungen der  Sänger-, Schauspieler und Sprecherstimme. Hier führen wir selbst Therapien durch - eine entsprechende, auch musikalische Expertise besteht in der Abteilung - und arbeiten eng mit Stimmbildnern und Gesangslehrern zusammen, auch im internationalen Rahmen.

Schluckstörungen beeinträchtigen die Lebensqualität

Behandlungs­bedürftige Schluck­störungen bestehen etwa bei 5 Millionen Menschen in Deutschland, d.h. bei etwa sieben Prozent der Bevölkerung. Ihre Zahl nimmt mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft zu. Sie betreffen etwa jeden Siebenten bis Achten oberhalb des 60. Lebensjahres und etwa die Hälfte der Menschen, die sich in Pflegeeinrichtungen befinden, mitunter aber auch Säuglinge und Kleinkinder. Sie können bei Kopf-Hals-Tumoren, neurologischen Erkrankungen oder Mehrfach­behinderungen vorkommen. In unserer Abteilung werden Schluckstörungen durch ein kompetentes Team von Ärzten und Logopädinnen mit modernen fiberendoskopischen Verfahren diagnostiziert. Nötigenfalls wird eine radiologische Diagnostik hinzugezogen. Bei vorliegenden Schluckstörungen werden individuell angepasste Behandlungskonzepte und Kostpläne erarbeitet, Beratungen durchgeführt, Verhaltens­hinweise gegeben und Therapien eingeleitet und in ihrem Verlauf begleitet. In enger Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik behandeln wir häufig Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, die an eingeschränkten Sprech-, Stimm- oder Schluck­funktionen leiden. Bei Menschen mit Tracheostoma führen wir ein Tracheal­kanülen­management durch.

Sprech-, Sprach-, Stimm und Schluckstörungen bei Hirnerkrankungen oder -verletzungen

Oft entstehen Sprech- und Sprachstörungen bei Erwachsenen nach Schlaganfällen, anderen neurologischen Erkrankungen oder Hirnverletzungen, z. B. durch Verkehrsunfälle, meist im Rahmen komplexer Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen, die einer langfristigen Behandlung und pflegerische Begleitung bedürfen. Unser Team von Ärzten und Logopädinnen deckt das gesamte diagnostische Spektrum ab, um solche Störungen zu diagnostizieren. Dazu gehören spezielle Sprachtests, eine moderne Stimmdiagnostik mit Videostroboskopie, akustischer Signalanalyse und kompetenter Stimmbeurteilung durch Arzt und Patienten selbst und eine Schluckdiagnostik mit fiber­endo­skopischen und bildgebenden Verfahren. Im Anschluss an die Diagnostik werden aufeinander abgestimmte Behandlungs­konzepte erarbeitet, Beratungen durchgeführt, Verhaltens­hinweise gegeben und Therapien eingeleitet und in ihrem Verlauf begleitet.

Lese- und Rechtschreibförderung

Unsere erfahrenen Psychologinnen Sandra Grave und Christiane Albuscheit bieten für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Störungen eine professionelle Lese- und Rechtschreibförderung an.

Das Angebot richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler, die trotz intensiver schulischer und häuslicher Förderung Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben haben. Häufig sind durch diese Probleme nicht nur die schulischen Leistungen beeinträchtigt, sondern auch der generelle Schulerfolg auf lange Sicht mit negativen Auswirkungen auf die Leistungsmotivation und das Selbstvertrauen der betroffenen Kinder. 

Ziel der Förderung sind daher die  Überwindung der Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, die Stärkung des Vertrauens in die eigene Leistungsfähigkeit und das Wiedererlangen der Freude am Lernen.

Am Anfang steht dabei eine ausführliche Diagnostik, bei der eine genaue Bestimmung des Entwicklungsstandes im Schriftspracherwerb erfolgt. Auf dieser Basis wird ein auf das Kind zugeschnittenes Förderkonzept erstellt, das sich an ein modernes, wissenschaftlich abgesichertes Förderprogramm anlehnt.

Die Lese- und Rechtschreibförderung findet in Einzel- oder Zweiersitzungen statt. Hierdurch ist eine besonders intensive und individuelle Unterstützung des Kindes mit psychologischem Sachverstand möglich.

Die Förderung ist kostenpflichtig  und beläuft sich auf 30 Euro für eine

Einzel- und 25 Euro für eine Zweiersitzung. Sie findet in den Räumen der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie von Montag bis Donnerstag jeweils um 13.30 Uhr und um 15.00 Uhr statt.

Christiane Albuscheit

Psychologin

Sandra Grave

Psychologin

Forschung

Folgende Forschungsprojekte werden derzeit in der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie oder unter ihrer maßgeblichen Beteiligung durchgeführt:

Internationales Kooperationsprojekt “Prevalence determination and management of neonatal human cytomegalovirus infections and development of an identification, follow-up, and intervention program for associated hearing loss”

(Lead Principal Investigator: Prof. Katrin Neumann, Proposal NPRP 7 – 1845 3 480), Kooperation mit Dr. Khalid A. Hadi Hassan Ali Shahada, Direktor der HNO-Klinik der Hamad Medical Corporation, Qatar

Das Projekt wird durch den Qatar National Research Fund mit über 850.000 USD über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert und beinhaltet eine Zusammenarbeit von Projektpartnern der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Erlangen, des St.-Elisabeth-Krankenhauses Essen und der Hamad Medical Corporation, Qatar.

Mit einer Prävalenz von 0,3-1,2 % ist die konnatale Cytomegalovirus-(CMV)Infektion die häufigste kongenitale humane Virusinfektion weltweit. Etwa 90% dieser Infektionen sind bei Geburt asymptomatisch. Ca. 8-25 % dieser asymptomatischen CMV- Infektionen verursachen allmählich sich entwickelnde Störungen, insbesondere kindliche Hörstörungen, die sich bis etwa zum 18. Lebensjahr manifestieren können. Eine kongenitale CMV-Infektion ist die führende nichtgenetische Ursache einer kongenitalen sensorineuralen Hörstörung und die zweithäufigste einer kindlichen permanenten Hörstörung überhaupt.

Hauptziele des Projekts sind (a) die exakte regionale Prävalenzbestimmung konnataler CMV-Infektionen in einem kleinasiatischen Land (Qatar) und in Deutschland (Ruhrgebiet) und (b) die Validierung eines Screenings zur frühzeitigen Erkennung einer CMV-Infektion. Hierzu wird den unselektierten Neugeborenen in den Geburtskliniken eine Speichelprobe entnommen und im Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen mittels PCR auf CMV geprüft. Bei positivem Ergebnis wird durch eine zweite Speichel- sowie eine Blut- und eine Urin-PCR des Neugeborenen eine Bestätigungsdiagnostik durchgeführt. Bei Bestätigung wird das Kind in ein sechsjähriges phoniatrisch-pädaudiologisches, neuropädiatrisches und opthalmologisches Follow-up-Programm eingebunden. Zur Bestimmung der Sensitivität des Screenings werden von 0,5 % zufällig ausgewählten Neugeborenen pro Land Speichel-, Blut- und Urinproben einer Bestätigungsdiagnostik in Erlangen unterzogen.

Weitere Studienziele sind: (c) die Beurteilung des landesspezifischen Nutzens eines universellen CMV-Screenings, basierend auf einer Speichel-PCR und (d) seiner Kombinierbarkeit mit dem Neugeborenen-Hörscreening, (e) die Informationsgewinnung zu Spätmanifestationen und die Entwicklung eines pädaudiologisch-neuropädiatrisch-ophthalmologischen Nachsorgeprotokolls kongenital CMV-infizierter Kinder sowie (f) die Quantifizierung der Kumulation von CMV in der während einer Cochlea-Implantat- Operation gewonnenen Perilymphflüssigkeit CMV-infizierter ertaubter Kinder.
Das Projekt befindet sich seit Ende 2015 in der Datenerhebungsphase. Bis Mai 2017 wurden über 6700 Neugeborene einem Screening auf eine neonatale CMV-Infektion unterzogen. Die Prävalenz dieser Infektionen wurde nun für das Ruhrgebiet mit 3.5/1000 ermittelt, die Sensitivität des Screenings beträgt derzeit 100%, die Spezifität 99.8 %.

Mittlerweile hat sich, auch auf Initiative des Projektteams hin, eine nationale Konsensusgruppe gegründet, die verschiedene Settings eines Screenings auf kongenitale CMV-Infektionen und ethische Aspekte berät. Eine multizentrische Studie zur abschließenden Klärung der Frage, ob in Deutschland ein Screening eingeführt werden und beim Gemeinsamen Bundeausschuss (G-BA) ein entsprechender Antrag eingebracht werden soll, ist in Planung.

Industriegefördertes Projekt “Optimierung von Rehabilitationskonzepten für Kinder mit Cochlea-Implantaten”

Das zweiteilige Projekt, geleitet jeweils von Frau Prof. Neumann und Prof. Boris Suchan, Leiter der Abteilung Neuropsychologie der Ruhr-Universität Bochum, untersucht mit Hör- und Sprachtests und weiteren psychophysischen sowie Fragebogeninstrumenten die Auswirkung eines Singstimmtrainings auf Tonhöhenauflösungsvermögen, Sprachentwicklung und Musikfähigkeit cochlea-implantat(CI)-versorgter Kinder im Vergleich zu einem herkömmlichen Sprachtraining und einem Perkussionstraining.

Cochlea-Implantat(CI)-Träger können in der Regel Musik weniger genießen und feine Tonhöhenunterschiede weniger gut wahrnehmen als Normalhörende. Auch bereitet es ihnen häufig Schwierigkeiten, Sprache im Störgeräusch gut zu verstehen. Dem soll in einer nach CI-Versorgung von Kindern üblichen Hör-Sprachrehabilitation begegnet werden. Ein Musiktraining in einer Rehabilitationsbehandlung nach CI-Versorgung von Kindern könnte diese Fähigkeiten eventuell verbessern. Die Studie untersucht, ob ein Singtraining es Kindern mit CIs ermöglicht, (a) Tonhöhen besser zu unterscheiden, (b) ihre Musikalität zu verbessern und Musik mehr zu genießen sowie (c) Sprache besser oder schneller zu entwickeln und (d) insbesondere Sprache bei störenden Nebengeräuschen besser zu verstehen als Kinder, die eine Standard-Hör-Sprachrehabilitation erhalten. Hintergrund ist der Nachweis eines verbesserten Sprachverstehens im Störschall bei musikalisch trainierten Kindern, was sich auch in dessen neuronalen Korrelaten zeigt (z. B. größere P2-Antwort ereigniskorrelierter Potenziale). Weiterhin untersucht die Studie die o. g. Auswirkung eines Singstimmtrainings auf die o.g. Hör-, Musikalitäts- und Sprachfunktionen verglichen mit der eines Perkussionstrainings. Hintergrund ist die Hypothese, dass ein melodiefokussiertes Training der eigenen Singstimme Kinder eher befähigt, feine Tonhöhendifferenzen zu unterscheiden und zu produzieren als ein rhythmisches Training, das bislang in der Hör-Sprach-Rehabilitation von CI-versorgten Kindern häufig eingesetzt wird.

Die Kinder erhalten innerhalb eines Jahres über einen Zeitraum von dreimal acht Wochen regelmäßig ein Singstimmtraining oder eine herkömmliche Hör-Sprach-Rehabilitation oder ein Trommeltraining. Im ersten und letzten Monat des Musiktrainingsprogramms wird mit verschiedenen Sprach-, Hör- und Musiktests sowie Fragebögen der aktuelle Stand der Sprach-, Hör- und musikalischen Entwicklung der Kinder ermittelt.

Projekt „Audiologischer Nutzen und subjektive Zufriedenheit mit dem ADHEAR AP und Adhesive Adapter im Vergleich mit einer knochenverankerten Hörhilfe am Softband in Kindern und Erwachsenen mit Schallleitungshörverlust“

Projektleitung Leitung Frau Prof. Neumann und OA Dr. Thomas aus der HNO-Klinik

Kinder und Erwachsene mit einem permanenten versorgungsbedürftigen Knochenleitungshörverlust können sich entweder einer Ohrchirurgie unterziehen oder mit konventionellen, meist stirnband- oder kopfbügelintegrierten Hörgeräten versorgt werden. Eine ohrchirurgische Lösung kann vom Patienten nicht erwünscht oder aus audiologischen, otologischen und allgemeineren Gründen nicht möglich sein und ist für Kinder ist meist erst ab einem Alter von 5 Jahren an sinnvoll bzw. möglich. Eine Versorgung mit Knochenleitungshörgeräten erfordert einen festen Andruck des Knochenleitungsschallprozessors am Kopf. Damit ist eine solche Lösung für Kinder erst ab sechs Altersmonaten möglich und geht häufig mit Missempfindungen und Nichtakzeptanz durch den starken Andruck, Schwitzen unter dem Stirnband, Abrutschen von Stirnband oder Bügel bei Kopffehlbildungen und kosmetischen Einschränkungen einher. Eine neue technische Lösung, das ADHEAR Hörsystem, scheint diese Nachteile zu überwinden, indem sein Audioprozessor an ein retroauriculär auf die Haut geklebtes Pflaster geklippt wird, das keinen Druck verursacht. Erste ausländische Studien haben belegt, dass für die Patienten keine Nachteile im Hörvermögen erleiden. Ziele dieser Studie sind folgende:

  1. In einer einmaligen Messung ohne vorherige Gewöhnungsphase soll der Hörgewinn mit dem ADHEAR Hörsystem mittels audiometrischer Standardverfahren mit dem durch eine herkömmliche Therapie, der Benutzung eines stirnbandintegrierten Knochenleitungshörgerät (BAHA5), bei randomisierter Zuordnung der Messreihenfolge verglichen werden.
  2. In einem prospektiven Ansatz sollen die Probanden nach einer 8-wöchigen Verwendungszeit des ADHEAR Systems nochmals in einem within-subject-comparison Design bezüglich des audiometrischen Outcomes und - mittels Fragebogeninstrumenten - der subjektiven Zufriedenheit mit der neuen Therapiemethode verglichen mit keiner Therapie und - wo anwendbar - einer vorherigen konventionellen Hörgeräteversorgung getestet werden. Eingeschlossen in die Studie sind 10 Kinder im Alter von 3 Monaten bis 10 Jahren und 10 Erwachsene im Alter von 18-75 Jahre.

Sollte sich die neue technische Lösung als praktikabel erweisen, stellt sie eine hervorragende Alternative zu bisherigen Versorgungsmethoden von Schallleitungshörstörungen dar.

FoRUM (Forschungsförderung an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum)-Projekt „Untersuchung der neuronalen Hör- und Sprachverarbeitung bei der Redeflussstörung Poltern“, Förderkennzeichen F756-2012

Die Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum hatte das o.g. Projekt zur Redeflussstörung Poltern, Projektleitung Frau Prof. Neumann, im Jahr 2013 mit € 58.700 gefördert. Seine Zielstellung war, diese pathophysiologisch wenig aufgeklärte Redeflussstörung (Prävalenz bei Erwachsenen ca. 0.01%) näher zu untersuchen. Als Kernsymptomatik des Polterns gelten ein erhöhtes und/oder irreguläres Sprechtempo, phonologische (lautliche), Wort- und Satzstruktur-Störungen, typische Redeunflüssigkeiten und eine gestörte Selbstwahrnehmung der Symptome. Pathophysiologisch ist unklar, ob es überhaupt eine eigene Krankheitsentität bildet oder nur eine Normvariante normalen Sprechens. Ebenso wie beim Stottern entsteht Poltern entweder ohne erkennbare Ursachen in der Kindheit als originäres Poltern oder es tritt als erworbenes Poltern bei neurologischen Krankheitsbildern auf. Auch Stotter-Polter-Mischformen existieren. Für die besser untersuchte Redeflussstörung Stottern sind hirnmorphologische und -funktionelle Anomalien in sprechmotorischen Planungs- und Ausführungsregionen bekannt sowie zerebrale Kompensation und Reorganisation bei erfolgreicher Therapie und Remission. Da für beide Störungsbilder Parallelen existieren, z. B. eine als gestört anzunehmende sensomotorische Integration auditiver Feedback und Feedforward-Mechanismen in die Sprechplanung, untersuchte das Projekt, angelehnt an das Design vorheriger Arbeiten zum Stottern die behavioralen, neuromorphologischen und -funktionellen Korrelate des Polterns, indem es die auditive und Sprachverarbeitung polternder Erwachsenen sowie orale Diadochokinese Aufmerksamkeitsleistungen und mit der normal Sprechender verglich anhand behavioraler Tests von Sprache, Hören, Aufmerksamkeit, Motorik und auditiver Verarbeitung und Wahrnehmung, der Messung ereigniskorrelierter Potentiale sowie funktioneller und struktureller Magnetresonanztomographie.

Im Ergebnis war überraschend die Sprechgeschwindigkeit Polternder nicht höher als die nicht Polternder. Ein irreguläres Sprechtempo mit Stopps und Spurts lag nicht immer vor, ebenso nicht bei allen Probanden Interruptionen, Interjektionen (e, ehm) und Revisionen. Regelmäßig traten aber phonologische, Wort- oder Satzverletzungen auf. Eine soziale Ängstlichkeit bestand häufiger als bislang angenommen. Keine signifikanten Gruppenunterschiede fanden sich für Händigkeit, zentral-auditive Verarbeitung u. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Vigilanz sowie motorische Leistungen.

Erstmals werden hier, im Gegensatz zu einer vergleichbaren Studie von Ward et al. (2015), MRI-Daten für reines Poltern verglichen mit denen von Stotterern. Die Daten legen einen eigenständigen Krankheitscharakter für Poltern nahe, auch wenn es, wie für andere Sprachstörungen, ein Kontinuum in der Symptomexpression zu geben scheint. Gefundenen fMRI-Unteraktivierungen sind konsistent mit den Befunden der ereigniskorrelierten Potenziale und weisen auf eine Störung von Sprechplanungs- und sprachbezogenen Feedforward-Mechanismen hin.

Im Jahr 2015 wurden die Messungen in diesem Projekt abgeschlossen. Geplant ist noch eine Nachanalyse der mit DTI (diffusion tensor imaging) erhobenen Daten in der Forschungsabteilung der durch Prof. Martin Tegenthoff geleiteten Neurologischen Universitätsklinik und Poliklinik des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil Bochum.

Projekt „Global Survey on Newborn and Infant Hearing Screening“

Dieses Projekt wird von Frau Prof. Neumann durchgeführt, mit Unterstützung der WHO durch Shelly Chadha, Medical Officer des WHO programme for prevention of deafness and hearing loss. Im Jahr 2017 wurde auf der WHO-Vollversammlung der WHO eine neue Resolution nebst Aktionsplan zur Verhinderung von Taubheit und Hörstörungen verabschiedet. In Vorbereitung der Resolution, aber auch zur Erfüllung ihrer Inhalte wird durch Frau Prof. Neumann eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen globalen Situation der Identifikation, Diagnostik und Behandlung frühkindlicher Hörstörungen durchgeführt. Dazu wurden unter Mitarbeit von Prof. Karl White, Director des National Center for Hearing Assessment and Management der Utah State University, zwei Fragebögen entwickelt, getestet und an potentielle Vertreter eines Neugeborenen- und Säuglingshörscreenings in so viele Länder wie möglich gesendet.

Der erste der beiden Fragebögen erhebt die Lebendgeburtenzahlen eines festgelegten Berichtsjahrs für das jeweilige Land, den prozentualen Anteil der Kinder, die ein Neugeborenen- und Säuglingshörscreening erhalten hatten, die Art des Screenings (universelles Screening, Risikoscreenig, Neugeborenen- oder späteres Screening, Pilotprojekte, sporadisch), die angewendeten Methoden (otoakustische Emissionen, akustisch evozierte Potenziale, Zweistufen-Kombinationsscreening, Fragebogen- oder anderes Screening), die Verbreitung (landes- oder bundeslandesweit, regional, krankenhausbasiert), die Prozentsätze der gescreenten und nicht gescreenten Kinder, die eine Diagnostik bzw. eine Therapie benötigt hätten und die derer, die sie auch erhalten hatten, die Prävalenz frühkindlicher permanenter Hörstörungen, das mediane bzw. mittlere Diagnose- und Therapiestartalter der gescreenten und nicht gescreenten Kinder, die gesetzliche Verankerung des Screenings, die durchführenden Personengruppen, den Ort der Durchführung und die jeweiligen Datenquellen. Der zweite Fragebogen erhebt die Prävalenzen unterteilt nach Art, Seite und Grad der Hörstörung.

Bis August 2016 konnten die Daten von 171 Ländern eingeholt werden, darunter Staaten wie China, Indien, USA, Kanada, Australien, Kasachstan, Brasilien, Argentinien, Chile, aber auch Sierra Leone, Botswana, Kambodja, Iran, Irak, Syrien und Nordkorea. Nach Beendigung der Datenerhebung und –analyse ist eine Aufnahme der Daten in den Jahresreport des WHO programme for prevention of deafness and hearing loss geplant.