Endoskopische Submukosadissektion (ESD)

Die endoskopische Submukosadissektion (ESD) ermöglicht die vollständige Entfernung von Tumoren und komplexen Schleimhautläsionen des Verdauungstrakts in einem Stück (en bloc). Dies ist entscheidend, da nur so eine exakte histologische Beurteilung möglich ist und das Rezidivrisiko deutlich reduziert wird. Dank ESD ist heute in vielen Fällen ein Organerhalt möglich und eine operative Entfernung wird vermieden.

Wann ist eine ESD notwendig?

  • Bei großen oder unklaren Befunden im Magen-Darm-Trakt
  • Im Kolon werden Polypen >2 cm laterally spreading tumors (LST) genannt mit unterschiedlichen Formen. Insbesondere bei einem LST mit einem eingesenkten Bereich ist eine ESD notwendig (sog. Paris IIc)
  • Verdacht auf Frühkarzinom: insb. im Ösophagus, Magen und Rektum
  • Wiederkehrende Polypen oder Restpolypen nach Vorbehandlung. Hier wird ebenfalls die Indikation für eine sog. Vollwandresektion mittels FTRD überprüft
  • Fibrotische oder narbige Befunde

 

Erweiterte Techniken

Endoskopische Intermuskuläre Dissektion im Rektum

  • Bei dieser Technik wird die zirkuläre Muskulatur des Rektums endoskopisch entfernt und die Längsmuskulatur belassen.
  • Somit lassen sich selektierte Polypen mit vermuteter tieferer Infiltration (bis tiefe Submukosa oder T1b) oder vernarbten Läsionen entfernen.
  • Dies ermöglicht eine organerhaltende Therapieoption ohne (Teil-)Entfernung des Rektums

Warum ist eine Abtragung in einem Stück (en-bloc-Resektion) entscheidend?

Der zentrale Vorteil der ESD liegt in der en-bloc-Entfernung:

  • exakte Beurteilung von Resektionsrändern und Invasionstiefe

auch weitere onkologisch wichtige Faktoren, wie Lymphgefäß- oder venöse Infiltrationen, sind besser beurteilbar und für Planung weiterer Therapie (z.B. Chirurgie) wichtig:

  • Höhere Rate einer vollständigen Entfernung der Polypen
  • Deutlich reduziertes Rezidivrisiko im Vergleich zur mehrteiligen Abtragung (EMR)


Unsere Spezialisierung

Wir sind ein spezialisiertes Hochvolumen-Zentrum für ESD mit folgenden Schwerpunkten:

Ösophagus

  • Früh-Plattenepithelkarzinome und Barrett-Mukosa mit Dysplasien und/ohne Frühkarzinom
  • Rezidive oder Rest-Barrett-Läsionen nach stattgehabten Therapien

Magen

  • alle Frühkarzinomen oder Adenome

Kolon und Rektum

  • Größere und verdächtige Polypen im Kolon inkl. Coecum
  • Alle größere Polypen im Rektum und Sigma
  • Polypen im unteren Rektum – nah des Analkanals – hier ermöglicht die ESD eine vollständige Entfernung ohne Operation
  • Lateral spreading tumor (LST) mit eingesunkenem zentralen Anteil (sog. Paris IIC)

 

Unsere Expertise

  • Insgesamt 100 ESD im Jahr 2025 mit ESD bei Rezidiven oder nach Vorbehandlung
  • Wir führen die ESD meistens als Unterwasser-ESD durch: dies optimiert den Ablauf und reduziert das Risiko einer Blutung sowie das Risiko eines post-Koagulationssyndroms
  • Hoher Anteil komplexer Läsionen mit Zuweisungen aus anderen Zentren in Deutschland
  • Interdisziplinäre Konferenz und Möglichkeit weiterer (falls notwendig) Therapien im Hause durch eine enge Zusammenarbeit mit Chirurgie und Onkologie


Warum ist ein spezialisiertes Zentrum entscheidend?

Die ESD gehört zu den technisch anspruchsvollsten endoskopischen Verfahren.

Der Erfolg hängt wesentlich ab von:

  • Der Erfahrung der Operateure
  • Der Fallzahl des Zentrums
  • Der Spezialisierung auf komplexe Fälle
  • Der Vorhaltung und des Vorhandenseins anderer Abteilungen zur optimalen Therapie im Falle einer Komplikation (interventionelle Radiologie und Viszeralchirurgie)

 

Welche Risiken können auftreten

  • Verzögerte Blutung
  • Perforation (selten in einem erfahrenen Zentrum)
  • Selten Schmerzen durch ein Post-ESD-Koagulationssyndrom
  • Erhöhte Infektwerte


Unsere Abteilung hält jede moderne Verschlussmethode vor, um etwaige post-ESD-Defekte verschließen zu können, inkl. endoskopischer Naht-Systeme.

 

Ansprechpartner

Dr. Peter Ewald

Leiter Endoskopie

Dr. Oscar Cahyadi

Stellv. Leiter Endoskopie