Jeder vierte Deutsche hat Knoten in der Schilddrüse - was tun?

13.06.2017

  • Informationsveranstaltung für Patienten und Interessierte am  25. Juni im Hörsaalzentrum St. Josef-Hospital Bochum

Was tun bei Schilddrüsen-Erkrankungen? Wie gefährlich sind sie? Wie kann man vorbeugen? Diese Fragen beschäftigen Millionen Menschen. Unter einer knotenhaften Vergrößerung dieses wichtigen Organs, das den gesamten Stoffwechsel im Körper reguliert, leidet in Deutschland jeder vierte Erwachsene, oft in Verbindung mit Luftnot, Schluckbeschwerden und Druckgefühl im Hals. Viele Menschen haben an der Schilddrüse krankhafte Veränderungen, von denen sie bisher nichts wussten. Vor diesem Hintergrund bietet die Universitätsklinik für Viszeral- und Allgemeinchirurgie im St. Josef-Hospital Bochum (Direktor: Prof. Waldemar Uhl) für Patienten eine Informationsveranstaltung zur Schilddrüse an:

Sonntag, 25. Juni 2017, von 11 - 12.30 Uhr im Hörsaalzentrum St. Josef-Hospital, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum.

In verständlichen Vorträgen wird über gutartige und bösartige Veränderungen der Schilddrüse sowie notwendige Maßnahmen informiert. Dazu zählt die Frage, wann ein Knoten operiert werden muss. Darüber hinaus stehen die Ärzte für Fragen zur Verfügung. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die grundlegende Diagnostik für die Schilddrüse findet bereits beim Hausarzt statt, etwa durch Blutentnahme, Ultraschall und Endokrinologie. Viele auf diesem Weg erkannte Schilddrüsen-Erkrankungen können durch Medikamente behandelt werden. Bei größeren Knoten oder bestimmten Formen der Überfunktion ist jedoch häufig eine Operation erforderlich.

Die Schilddrüsen-Therapie ist Teil der endokrinen Chirurgie und gehört zu den Behandlungsschwerpunkten der Allgemeinchirurgie im St. Josef-Hospital. Priv. Doz. Dr. Chris Braumann, Oberarzt im Team von Prof. Uhl, gilt in diesem Bereich als Spezialist und hat bereits mehr als 700 Schilddrüsen-Operationen durchgeführt.

Krebs an der Schilddrüse ist relativ selten, kann jedoch auch in jungen Jahren auftreten. Dennoch raten Experten zur Operation, wenn ein fundierter Verdacht auf bösartige oder unklare Veränderungen besteht. Nur zu punktieren genügt oft nicht. Operationen werden heute mit Stimmbandnerv-Kontrolle schonend und zuverlässig für den Patienten durchgeführt. Das Neuromonitoring sorgt für ein Höchstmaß an Sicherheit.

Wird dann ein Teil der Schilddrüse oder gar das komplette Organ entfernt, hat der Patient danach selten mit Einschränkungen zu rechnen. Die Hormonproduktion der Schilddrüse kann durch Medikamente ersetzt werden. Ein Leben ohne Schilddrüse ist gut möglich.

Zu den Risikofaktoren von Schilddrüsen-Erkrankungen gehört in erster Linie ein Mangel an Jod. So wird zur Vorbeugung empfohlen, bereits Neugeborene früh damit zu versorgen.

Walk In Ruhr (WIR) – Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin - stößt auf große Resonanz

10.06.2017

  • Pro Quartal 2000 Ratsuchende aus dem gesamten Ruhrgebiet
  • Offene Tür für alle Interessierten zum 1. Jahrestag des Zentrums

Sein einjähriges Bestehen feiert das WIR – Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin – in diesen Tagen. WIR steht für WALK IN RUHR mit der Botschaft: Offen für alle! Angelehnt an diesen Leitgedanken organisiert das vom Katholischen Klinikum Bochum (KKB) und zahlreichen bewährten  Organisationen getragene Zentrum am kommenden Freitag, 23. Juni 2017, ein hochkarätiges wissenschaftliches Symposium (ab 9 Uhr im Blue Square der Ruhr-Universität in der Innenstadt) sowie anschließend einen Tag der offenen Tür für die interessierte Öffentlichkeit (ab 13.30 Uhr im WIR am St. Elisabeth-Hospital).

Die Einzelheiten beider Veranstaltungen stehen auf der WIR-Homepage unter http://www.wir-ruhr.de/2017/04/19/ein-jahr-walk-in-ruhr-symposium-und-tag-der-offenen-tuer-im-wir/. Das WIR versteht sich seit seiner Gründung sowohl als Einrichtung der vernetzten Arbeit untereinander (Interdisziplinäre Immunologische Ambulanz - Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin der Universitätshautklinik, Aidshilfe Bochum, Gesundheitsamt Bochum, pro familia, Rosa Strippe und Madonna) als auch mit anderen Haus- und Fachärzten und Gesundheitseinrichtungen. Zu seinen Kernaufgaben zählen die bedarfsorientierte, niederschwellige und ganzheitliche Betreuung und Versorgung von Ratsuchenden, die Organisation von Fortbildungen für medizinisches, therapeutisches Personal und für die interessierte Öffentlichkeit sowie die wissenschaftliche Arbeit rund um die Bereiche Sexuelle Gesundheit, Präventionsverhalten, Sexualberatung und Kinderwunsch.

Für die Beteiligten ist das Konzept gut aufgegangen: Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Heute nehmen in jedem Quartal gut 2.000 Ratsuchende aus Bochum und der gesamten Region Kontakt mit dem WIR auf.

Das von Bund und Land unterstützte Zentrum will seine präventive Arbeit noch weiter intensivieren, versichert Prof. Norbert H. Brockmeyer, Abteilungsleiter der Interdisziplinären Immunologischen Ambulanz im WIR: „Wir besuchen Schulen, um Jugendliche und junge Erwachsene gemeinsam mit ihren Lehrern aus erster Hand über Sexuelle Gesundheit zu informieren. Wir beraten Menschen, die Flüchtlinge betreuen, und wir verstärken unsere Öffentlichkeitsarbeit. All diese Maßnahmen sind dringender denn je: Denn die Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen steigt trotz guter Präventionskampagnen leider weiter an.“ 

Frühe Diagnose und gezielte Therapie geben Patienten bei Acne inversa neue Perspektive

01.06.2017

  • Informationsveranstaltung am 7. Juni im St. Josef-Hospital Bochum

Entzündete Hautstellen, Schwellungen und Knoten kommen häufig vor. Oft kehren sie immer wieder und führen zu schmerzhaften Abszessen oder Fisteln vor allem in den Achselhöhlen, der Leistengegend sowie unter der Brust, am Gesäß oder an den Innenseiten der Oberschenkel. Grund dafür kann die chronisch-entzündliche und oft sehr schmerzhafte Hauterkrankung Acne inversa sein, die in der Öffentlichkeit aber wenig bekannt ist. Vor diesem Hintergrund bietet die Abteilung für Dermatochirurgie der Bochumer Universitätsklinik für Dermatologie im St. Josef-Hospital(Direktor: Prof. Eggert Stockfleth)für alle Interessierten eine Informationsveranstaltung mit dem Leitenden Arzt Prof. Falk G. Bechara und weiteren Experten an:

Mittwoch, 7. Juni 2017, um 18 Uhr im St. Josef-Hospital, Hörsaalzentrum, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum.

Die Dermatologie im St. Josef-Hospital gilt national und international als eines der führenden Behandlungs- und Forschungszentren für Acne inversa. In Deutschland leiden etwa 800.000 Menschen unter dieser schweren, meist fortschreitenden Krankheit. „Häufig treten die ersten Beschwerden nach der Pubertät auf“, betont Prof. Bechara. „Die Betroffenen leiden unter stark schmerzhaften Knoten und Eiteransammlungen, die oft in Schüben auftreten. Die Lebensqualität ist stark reduziert, und nicht selten hat die Erkrankung stark negative Auswirkungen auf das soziale und berufliche Leben der Patienten.“

Besonders belastend ist neben der Entzündung die mit Dauer der Erkrankung fortschreitende narbige Zerstörung von Gewebe. Das gleichzeitige Auftreten von Entzündung und vernarbtem Gewebe macht auch die Therapie der Acne inversa so schwierig.  Erforderlich ist häufig eine kombinierte medikamentöse und operative Behandlung.

Acne inversa ist bislang zwar nicht heilbar, doch durch eine frühzeitige Diagnose und mit dem richtigen Behandlungskonzept können die Beschwerden deutlich verbessert werden, so dass dem Patienten die Rückkehr in ein normales Leben ermöglicht wird.

Die Veranstaltung im St. Josef-Hospital ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen online unter www.acneinversa.de. 

Bochumer Kinderernährungs-Forscher untersuchen Stillverhalten von Müttern in Deutschland

31.05.2017

  • Vier bis sechs Monate ausschließlich Muttermilch sind für das Baby der beste Start
  • Oft steigen Eltern aber zu früh auf industrielle Säuglingsnahrung um

Wenn die Mutter stillt, ist dies für den Säugling die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung. Ernährungswissenschaftler und Mediziner empfehlen eine Phase von vier bis sechs Monaten, in denen das Kind nach der Geburt ausschließlich durch Muttermilch ernährt wird. Die Realität sah jedoch lange anders aus, ergab vor 20 Jahren die erste bundesweite Studie „Still- und Säuglingsernährung“ (SuSe), die vom damaligen Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) durchgeführt wurde. Schon nach wenigen Wochen stillte kaum noch jede zweite Mutter ihr Baby ohne Zufütterung. Beteiligt an der Studie waren damals 170 Kliniken und 1700 Mütter.

Nun soll eine neue, ebenso groß angelegte Studie (SuSe II) klären, ob sich dieses Verhalten - bedingt etwa durch stärkeres Umweltbewusstsein oder mehr Stillberatung - verändert hat und Mütter nun mehr und länger stillen. Sie startet am 1. Juni 2017, wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert und ist auf zwei Jahre angesetzt. Auftraggeber ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die die Stillstudie im Jahre 2020 in ihren 14. DGE-Ernährungsbericht aufnehmen wird. Den Zuschlag für die Durchführung erhielt das neue Forschungsdepartment für Kinderernährung (FKE), das der Universitätskinderklinik Bochum (komm. Direktor Prof. Thomas Lücke) seit 2016 angegliedert ist.

Prof. Mathilde Kersting, Wissenschaftliche Leiterin des FKE: „Muttermilch ist optimal auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt. Alle Forschungsergebnisse bestätigen dies. Deshalb setzen wir uns seit langem für eine effektive Förderung des Stillens ein.“

Während die Stillquoten in Deutschland nach 1970 zunächst noch anstiegen, ist in den letzten rund 20 Jahren keine Verbesserung mehr zu erkennen. Nach wie vor fallen die anfangs hohen Stillquoten nach der Geburt rasch wieder ab. Alle an der Stillstudie beteiligten Professionen bedauern dies. Über den spezifischen Ernährungswert hinausenthält Muttermilch zahlreiche gesundheitsfördernde und schützende Komponenten, die in einem einzigartigen Zusammenspiel dazu beitragen, dass gestillte Kinder seltener krank werden. Auch für ihre spätere Gesundheit profitieren Kinder vom Stillen.

Für die Datenerhebung und –auswertung wurden für die nun anlaufende Studie namhafte Partner gewonnen. Beteiligt sind das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Software (ISST) in Dortmund sowie  die Ruhr-Universität Bochum mit der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie unter Leitung von Prof. Hans Trampisch. 

Erst die Sprache, dann die Musik: Hörgenuss für Menschen mit Ohr-Implantat

02.05.2017

  • Nach Überwindung der Taubheit locken neue Perspektiven
  • CI-Zentrum Ruhrgebiet erweitert sein Rehabilitations-Angebot

Wenn taube oder hochgradig schwerhörige Menschen wieder gut hören können,  ist dies für die Betroffenen eine emotionale Sensation. Ein Cochlea-Implantat (CI) ermöglicht ihnen, Sprache aufzunehmen, in einem Gespräch zu kommunizieren und dadurch wieder in einer bisher nicht erlebten Form am sozialen Leben teilzunehmen. Musik jedoch, so schön sie sein mag, ist nach solchen Operationen schwieriger zu verarbeiten als Sprache. Wege dafür zeigte der 1. Bochumer Musik-Workshop auf. Titel: Musikhören mit Cochlea-Implantat. Veranstaltet wurde er vom CI-Zentrum Ruhrgebiet, das von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde im St. Elisabeth-Hospital Bochum getragen wird.

Klinikdirektor Prof. Stefan Dazert: „Wer lange nichts gehört hat, muss sich  Sprache erst erschließen und sie erlernen. Musik hilft dabei. Sie ist damit ein Baustein der Hörrehabilitation und verbessert darüber hinaus die Lebensqualität immens.“ Für die Betroffenen ist das auch eine Frage der Motivation. Viele von ihnen sind froh und glücklich, nach der Taubheit überhaupt hören zu können und glauben schon gar nicht mehr daran, auch einmal genussvoll Musik zu genießen.

Praktische Übungen im Workshop präsentierte Johanna Pätzold, Musiktherapeutin und selbst CI-Trägerin. Am Klavier spielte Tatjana Sikorskaya. Klänge wahrzunehmen  ist  für  CI-Operierte  sehr  komplex.  Dies  trifft  vor  allem        für klassische Musik zu. Um den Einstieg zu erleichtern und die Voraussetzungen für Lernerfolge zu verbessern, werden die ursprünglichen Klänge im Workshop zunächst gezielt reduziert und vereinfacht, z.B. durch die Herausnahme eines einzelnen Instrumentes. Die Melodie an sich bleibt aber erhalten.

Einen ähnlichen Weg geht auch ein wissenschaftliches Projekt, an dem die HNO- Klinik gemeinsam mit dem Institut für Kommunikationsakustik der Ruhr-Universität Bochum arbeitet. „Nachdem die sprachliche Hörrehabilitation für CI-Träger große Fortschritte gemacht hat, ist es auch für uns eine fantastische Aufgabe, an der Verbesserung des musikalische Erlebens mitzuwirken“, sagt Prof. Rainer Martin, Leiter des Instituts.

Musik eignet sich aufgrund ihrer Emotionalität für die Hörrehabilitation sehr gut. Auch für Demenzkranke kann sie therapeutisch eingesetzt werden. Das CI- Zentrum Ruhrgebiet in Bochum bietet seit langem sehr erfolgreich eine Sprachtherapie für CI-Träger an. Dies wird nun um eine musikalische Rehabilitation erweitert. Geplant ist, diese neben einem jährlich stattfindenden Workshop regelmäßig für die Patienten anzubieten.

Medizin erzielt große Fortschritte in der Behandlung von Multipler Sklerose

14.03.2017

  • Am 1. April um 9 h Informationsveranstaltung im St. Josef-Hospital

„Die Krankheit, die niemals schläft“ wird die Multiple Sklerose (MS) genannt. Das Immunsystem wendet sich dabei gegen den eigenen Körper. Die Ursache dieser entzündlichen Erkrankung ist bis heute nicht gefunden, doch die Medizin hat erhebliche Fortschritte erzielt. Unter MS leiden in Deutschland rund 200.000 Patienten. Ihre Zahl steigt. Im Rahmen des Welt-MS-Tages 2017 lädt die Universitätsklinik für Neurologie im St. Josef-Hospital (Direktor: Prof. Ralf Gold) in Zusammenarbeit mit dem Landesverband NRW der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft und des krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (BMBF gefördert) alle Interessierten, vor allem Patienten und ihre Angehörigen, zu einer Informationsveranstaltung ein:

1. April 2017, ab 9 Uhr im Hörsaalzentrum des St. Josef-Hospitals, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum

Die Teilnahme ist kostenfrei. Experten aus Neurologie und Radiologie informieren in gut verständlichen Vorträgen über die wichtigsten Aspekte der Krankheit. Dazu zählen die neuesten Forschungsergebnisse und Therapien. Medikamente und Ernährungsfragen kommen ebenso zur Sprache wie Risikofaktoren, das Verständnis des eigenen MRT-Befunds und die Behandlung von begleitenden Beschwerden.

Wichtig für MS-Patienten ist auch regelmäßige Bewegung. Ein erfahrener Therapeut der RuhrSportReha wird dazu praktische Übungen anbieten und Tipps geben. Zu jedem Thema gibt es die Gelegenheit, persönliche Fragen zu stellen, sei es nach dem jeweiligen Vortrag oder in kleinerem Rahmen an Expertentischen. 

Ähnlich wie Rheuma, verläuft Multiple Sklerose häufig in Schüben. In der MS-Behandlung gehört die Neurologische Universitätsklinik im St. Josef-Hospital Bochum zu den führenden ihrer Art in Deutschland und darüber hinaus. „Die MS-Medizin ist außerordentlich stark in Bewegung“, betont Prof. Gold. „Inzwischen gelingt es uns, die Schübe bei den meisten Patienten vollständig zu unterdrücken und eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen.“

Durch neue Substanzen, die in den vergangenen Jahren entwickelt wurden, haben die Ärzte heute deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung als früher. Weitere noch nicht zugelassene Präparate befinden sich in einem weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Ein zusätzlicher wichtiger Faktor ist die richtige Ernährung (bestimmte Fettsäuren, Vitamine u.a.). Groß angelegte Studien haben gezeigt, dass sie für MS-Patienten hohe Bedeutung hat.

Mediziner einigen sich auf neue Leitlinie zur Therapie von nichtspezifischem Rückenschmerz

08.03.2017

  • Prof. Tobias Schulte gehörte zu den Autoren als Vertreter der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft
  • Bewegung wird empfohlen, Bettruhe gilt als schädlich

Millionen Menschen leiden vorübergehend oder längerfristig unter Rückenschmerzen. Sie gehören zu den am weitesten verbreiteten Volkskrankheiten und sind der häufigste Grund für Krankschreibungen. Meist ist die Ursache nicht eindeutig auszumachen. Fachleute sprechen deshalb von nicht-spezifischem Kreuzschmerz. Wichtig für Patienten: Die Nationale Versorgungs-Leitlinie dazu ist komplett überarbeitet worden und liegt seit wenigen Tagen vor.

Zu den Autoren gehörte als Vertreter der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) Prof. Dr. Tobias Schulte, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik im St. Josef-Hospital Bochum (Katholisches Klinikum Bochum). Experten aus 28 Fachgesellschaften und Organisationen arbeiteten zwei Jahre lang interdisziplinär an der neuen Leitlinie. Sie dient nun als Richtschnur für alle Mediziner in Deutschland, die Rückenprobleme behandeln.

„Es war ein hartes Stück Arbeit, die verschiedenen Ansichten und Interessen in Einklang zu bringen“, so Prof. Schulte. Die 90 Empfehlungen haben den Rang einer sogenannten S3-Leitlinie und repräsentieren den neuesten Wissensstand der Medizin. Im Rahmen einer aufwändigen systematischen Recherche wurde die relevante wissenschaftliche Literatur komplett analysiert.

Für besonders wichtig hält Prof. Schulte, dass körperliche Bewegung und aktivierende Behandlungen stark empfohlen, Bettruhe und Passivität fördernde Maßnahmen dagegen kritisch betrachtet werden und sogar als schädlich gelten. Falls Patienten auch nach sechs Wochen trotz Therapie keine Besserung erfahren, werden Multimodale Konzepte empfohlen, die Bewegungs-, Schmerz-, Verhaltens- und Psychotherapien kombinieren. „Die multimodale Schmerztherapie stellt einen besonderen Pfeiler in der Schmerztherapie dar und ist deutlich effektiver als eine eingleisige Behandlung. Das bestätigen sowohl Studien als auch die tägliche Arbeit an unseren beiden Standorten St. Josef-Hospital und der Klinik Blankenstein, an denen wir in unserer eigenen Klinik multimodale Schmerztherapie regelmäßig durchführen“, betont Prof. Schulte.

Bildgebende Verfahren wie MRT, CT oder Röntgen sind wichtig, sollten aber nicht zu früh und voreilig eingesetzt werden, sondern nur bei begründetem Verdacht auf eine spezifische Ursache der Schmerzen. Ferner wird in der Leitlinie bekräftigt, dass die Psyche und das soziale Umfeld Kreuzschmerzen beeinflussen können. Im Unterschied zu nichtspezifischem Kreuzschmerz, bei dem die Ursache nicht klar erkennbar ist, gibt es auch den spezifischen Kreuzschmerz. Auch hier ist eine neue Leitlinie in Arbeit, an der Prof. Schulte mitarbeitet.

Die komplette Leitlinie ist abrufbar auf der Internetseite des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) unter: http://www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz.

Deutsche Elite der Fußchirurgie trifft sich in Bochum

07.03.2017

  • Jahrestagung der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk am 24./25. März in Bochum
  • Viel Bewegung in den Behandlungsmöglichkeiten

Mehrere hunderttausend Patienten unterziehen sich pro Jahr in Deutschland einer fußchirurgischen Behandlung. Angeborene und erworbene Fehlstellungen bei Kindern und Erwachsenen, Knorpeltherapie, Diabetischer Fuß, Ballenzehe (Hallux valgus), Überbein, Sportverletzungen, Einlagenversorgung und vieles mehr: Das medizinische und therapeutische Spektrum ist groß.

Die hochrangige und stark wissenschaftlich geprägte Tagung wendet sich an klinisch und ambulant tätige Fachbesucher. Sie findet zum ersten Mal im Ruhrgebiet statt. Erwartet werden rund 400 Gäste. Partnerregion ist in diesem Jahr Skandinavien. Tagungspräsidenten sind Dr. Frank Schemmann (Ratingen) und Dr. Tanja Kostuj, Geschäftsführende Oberärztin und Spezialistin für Fußchirurgie in der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des St. Josef-Hospitals Bochum. „Die Fußchirurgie ist sehr innovativ und entsprechend stark in Bewegung“, betont sie. So sind heute strahlungsarme 3D-Röntgenaufnahmen für Fuß und Sprunggelenk unter Belastung möglich.

Weitere Beispiele sind synthetische Stoffe sowie die Transplantation von Blutstammzellen aus dem eigenen Knochenmark, mit denen Knorpelschäden in dem belasteten Fußgelenk bis zu einem gewissen Grad behandelt werden können.

Eine besondere Herausforderung stellt nach wie vor der Diabetische Fuß dar. Für diese komplexe Behandlung ist die enge fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Diabetologen, Fußchirurgen, Gefäßchirurgen, Neurologen und Radiologen notwendig.

Die Ärzte haben heute deutlich mehr Möglichkeiten als früher. Dies gilt für die operative Therapie und gleichermaßen für die konservative Behandlung. Selbst Versteifungen von Fußgelenken können so schonend vollzogen werden, dass der Patient in vielen Fällen kaum bewegungseingeschränkt ist oder sogar noch seinem Sport nachgehen kann.

Während Knie- und Hüftgelenkprothesen heutzutage weit verbreitet sind, werden künstliche Sprunggelenke bisher eher selten eingesetzt. Die Ergebnisse sind aber in vielen Fällen sehr gut, betont Dr. Kostuj. Hohe Erwartungen setzt sie in ein erweitertes Sprunggelenkregister, in dem alle operativen Korrekturmaßnahmen– von der Einsteifung über die Prothese bis zur Umstellungsosteotomie – dokumentiert werden und vor allem die Zufriedenheit des Patienten abbilden. Auf dem Kongress werden zu den Prothesen die ersten 10-Jahres-Ergebnisse aus dem Register vorgestellt.