Forschung & Lehre

Stiftungsprofessur Phlebologie

Was ist eine Stiftungsprofessur?

Eine Stiftungsprofessur ist eine Professur, die nicht oder nicht ausschließlich aus dem Grundhaushalt einer Hochschule bezahlt wird, sondern ganz oder teilweise von einem Drittmittelgeber finanziert wird. Hier wurde die Stiftungsprofessur Phlebologie durch eine Spende der Firma Bauerfeind AG / Zeulenroda an den Stifterverband für die deutsche Wissenschaft e.V. ermöglicht. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft e.V. richtete dann gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum eine entsprechende Stelle im Fachbereich Dermatologie, Venerologie und Allergologie ein. Die Förderung beläuft sich zunächst auf fünf Jahre. Anschließend wird die Stelle entweder von der Ruhr-Universität Bochum übernommen oder ggf. weiter über Drittmittelgeber finanziert.

Stiftungsprofessur – begleitet durch den Stifterverband

Warum eine Stiftungsprofessur Phlebologie?

Einerseits betreffen phlebologische und lymphologische Erkrankungen eine breite Masse in der Bevölkerung und haben eine hohe sozioökonomische Bedeutung, andererseits findet eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Themen in den meisten universitären Einrichtungen nicht (mehr) statt (beispielhaft Reich-Schupke et al. Hautarzt 2013). Getriggert wird diese Problematik dadurch, dass sowohl die Phlebologie als auch die Lymphologie bisher keinen eigenen medizinischen Fachbereich darstellen, sondern als Subspezialität in einer Vielzahl von Fächern angegliedert sind (z.B. Chirurgie, Gefäßchirurgie, Dermatologie, Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Gynäkologie) und dort zumeist nur ein Randdasein führen. Bisher existiert in Deutschland und Europa kein Lehrstuhl für Phlebologie und/oder Lymphologie. Der letzte Lehrstuhl wurde mit der Emeritierung von Professor Wienert in Aachen 2004 aufgelöst.
Die wesentliche Anwendung der Phlebologischen Diagnostik und Therapie erfolgt aktuell in ambulanten Praxen oder spezialisierten, meist nicht-universitären Kliniken. Hier verfügt man zwar über eine weitreichende Erfahrung in der Diagnostik und Therapie der Varikose, Thrombose und lymphologischer Erkrankungen, doch bleiben Studienaktivitäten zur Weiterentwicklung des Faches, zur Erhöhung der öffentlichen Aufmerksamkeit und zur Fokussierung der gesundheitspolitischen Relevanz vielfach aus.
Die Zahl an großen phlebologischen und lymphologischen Studien und Publikationen ist gering (beispielhaft die sinkenden Impact Factoren der phlebologischen Journale). Aktuelle Studien sind besonders konzentriert auf endoluminale Verfahren zur Varizentherapie sowie auf medikamentöse Verfahren zur Thrombosetherapie und -Prophylaxe. Viele Firmen, die als Hilfsmittel- oder Medizinproduktehersteller im phlebologischen Bereich tätig sind, verfügen – im Gegensatz zu forschenden Pharmaunternehmen – nicht über eine eigene Abteilung für Wissenschaft und Forschung, sondern konzentrieren sich vielmehr auf Marketing und Produktentwicklung.
Um die Phlebologie/ Lymphologie auch langfristig als wissenschaftlichen Fachbereich zu stärken, braucht es:

  • Eine aktive Phlebologie an den Universitäten, um junge Kollegen für den Fachbereich zu sensibilisieren und die Forschung voranzutreiben
  • Eine breite und gut fundierte Aus- und Weiterbildung von phlebologischen Ärzten für den niedergelassenen Bereich
  • Wissenschaftliche Studien, die die Notwendigkeit der phlebologischen Diagnostik und die Wirksamkeit der Therapieoptionen bestätigen bzw. neue Alternativen aufzeigen
  • Einen zentralen Ansprechpartner zur Initiierung großer multizentrischer Projekte sowie zur Koordinierung wissenschaftlicher Aktivitäten im Bereich der Phlebologie/ Lymphologie

Welche Ziele sind mit der Stiftungsprofessur verbunden?

Ziel 1: Aktivierung der phlebologischen Forschung

Die Stiftungsprofessur ist als wissenschaftliche Initialzündung zu verstehen, um die phlebologische Forschung in Deutschland als Schwerpunkt wieder neu lebendig zu machen und den Fachbereich als ernstzunehmende Wissenschaft zu stärken. Im Gegensatz zu den bisher v.a. Investigator-initiierten „nebenberuflichen“ Studienaktivitäten (neben der klinischen Routine), kann der Stelleninhaber „hauptberufliche“ und damit wesentliche effizientere Forschungsaktivitäten im phlebologischen und lymphologischen Bereich ermöglichen. Neben dem Lehrstuhlinhaber sind weitere Personen im Umfeld aktiv in das Forschungsgeschehen einbezogen im Rahmen von Habilitationen, Dissertationen und anderen wissenschaftlichen Projekten. Auf diese Weise könnten bestehende Strukturen und Prozesse der Hochschule für die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Phlebologie und Lymphologie genutzt werden.
Die Aktivitäten sollen jedoch nicht nur auf das Zentrum allein beschränkt werden. Die Stiftungsprofessur soll als Zentrum eine national wie international ausgerichtete Netzwerkbildung mit Forschungsgruppen unterschiedlichster Fachbereiche (s.o. Gefäßchirurgie, Dermatologie, Innere Medizin, Hämostaseologie) koordinieren. So können auch dringend benötigte multizentrische Studien mit großen Fallzahlen generiert werden.

Ziel 2: Verbesserung der Lehre im Bereich der Gefäßmedizin

Außerdem bietet die Stiftungsprofessur Phlebologie die Möglichkeit, eine Brücke zu schlagen zwischen den verschiedenen Disziplinen, in denen Gefäßerkrankungen gelehrt werden. Dazu zählen v.a. Dermatologie, Innere Medizin/ Angiologie, Chirurgie/ Gefäßchirurgie und die Allgemeinmedizin. In allen Fachbereichen werden phlebologische Fragestellungen kurz angerissen, kommen meist nur mit wenigen Stunden im Lehrplan vor, da sie in keinem Fachbereich einen Schwerpunkt darstellen. Resultierend erwerben die meisten Ärzte erst im Rahmen ihrer praktischen Tätigkeit Fähigkeiten in der – letztlich für nahezu alle ärztlichen Fachrichtungen wichtigen - Gefäßmedizin. Neben der strukturierten Verzahnung der vorhandenen Lehraktivitäten soll ein interdisziplinärer Part „Gefäßmedizin“ als Seminar mit theoretischen und praktischen Anteilen im Lehrplan angeboten werden. Dieses Seminar kann durch die Stelleninhaberin koordiniert werden. Spezialisierte Fragestellungen könnten dann z.B. in Form von Beispielfällen (POL) mit den Studierenden erarbeitet werden. Dabei können aktuelle Ergebnisse aus den wissenschaftlichen Arbeiten der Stiftungsprofessur direkt an die Studierenden weitergegeben werden. Außerdem soll die universitäre Lehre im Bereich der Phlebologie und Gefäßmedizin gestärkt werden.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Stefanie Reich-Schupke

Telefon 0234/8792-270
Telefax 0234/8792-376

Studien

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Interesse an den Studien unseres Zentrums. Derzeit sind bei uns folgende Studien aktiv, für die wir geeignete Patienten suchen. Bei Interesse melden Sich sich gerne bei unserem Studienteam. Dort werden Sie weitere Informationen erhalten.

Telefon 0234/8792-274 oder -373
team-phlebo@klinikum-bochum.de

ETNA

Pat. mit tiefer Beinvenenthrombose und Einnahme von Lixiana/ Edoxaban

  • Internationale, multizentrische Beobachtungsstudie
  • Studiendauer pro Patient 18 Monate
  • Keine vorgeschriebenen Visiten
  • Keine Blutentnahmen oder anderen invasiven Maßnahmen

EMIT

Patienten mit Einnahme von Lixiana/Edoxaban, die sich einem Eingriff unterziehen müssen (z.B. Zahnarztbehandlung, Operation)

  • Internationale, multizentrische Beobachtungsstudie
  • Studiendauer pro Patient fünf Tage vor bis 30 Tage nach dem Eingriff
  • Keine vorgeschriebenen Visiten
  • Keine Blutentnahmen oder anderen invasiven Maßnahmen

COSIMO

Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose, bösartiger Erkrankung und Einnahme von Xarelto / Rivaroxaban

  • Globale, multizentrische, prospektive, Beobachtungsstudie
  • Studiendauer pro Patient sechs Monate
  • Keine vorgeschriebenen Visiten
  • Keine Blutentnahmen oder anderen invasiven Maßnahmen

Rheacell autolog / allogen

Patienten mit einer schwer heilenden venös bedingten Beinwunde, sog. Ulcus cruris venosum

  • Klinische Prüfung der Phase I/IIa zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von aus der Haut gewonnen Stammzellen auf die Wundheilung von chronischen venösen Ulcera (CVU)
  • Zwei Studientypen: Stammzellen aus eigenem Gewebe des Patienten oder von einem fremden, gesunden Spender
  • Drei Zentren in Deutschland
  • Keine Randomisierung = alle Patienten bekommen eine Therapie
  • Beobachtungszeit pro Patient bis 19 Monate
  • Durch das Studienprotokoll vorgeschriebene Visiten und Blutentnahmen
  • Je nach Studientyp auch Entnahme von Eigenhaut

Hydrotac (Stop 22.09.2017)

Patienten mit einer schwer heilenden venös bedingten Beinwunde, sog. Ulcus cruris venosum, mind. 50 Prozent Granulation auf der Wundfläche

  • Anwendungsbeobachtung eines auf dem Markt befindlichen Produktes (Hydrotac)
  • Beobachtungszeit pro Patient über zwölf Wochen
  • Fünf vorgeschriebene Visiten und ein Telefonat
  • Keine Blutentnahmen oder invasiven Maßnahmen

Besenreiser

Patienten mit unbehandelten Besenreisern an mindestens einem Bein

Publikationen und Vorträge

Forschung

Referenzen VulnusMon, Stand 28.09.2017