Lymphödem

Was ist ein Lymphödem?

Das Lymphödem ist ein eigenständiges, chronisches, zur Progression neigendes Krankheitsbild, bedingt durch eine Transportstörung des Lymphgefäßsystems. Die Belastung des Gewebes mit lymphpflichtigen Lasten wie Wasser, Eiweiß etc. führt zu chronisch-fortschreitenden Entzündungen mit Anregung der Binde- und Fettgewebe bildenden Zellen (Fibroblasten, Adipoblasten). Als Langzeitschaden entwickelt sich eine zunehmende bindegewebige Durchbauung des Unterhautgewebes mit begleitender Verdickung der Haut. Das Lymphödem kann primär oder sekundär entstehen.

Diagnostik

  1. Ausschluss anderer Ödem-Ursachen

    1. Phlebödem: Photopletysmographie, Dopplersonographie, Duplexsonographie (angiologische Ambulanz der dermatologischen Klinik)
    2. kardiales Ödem (Röntgen Thorax, EKG, Klinik)
    3. Lipödem (Klinik, Duplexsonographie)
    4. renales Ödem (serologische Nierenparameter)
  2. Überprüfen von Ursachen des Lymphödems

    1. Anamnese (lymphgefäßzerstörende OP?)
    2. raumfordernde Prozesse (Oberbauchsonographie und andere sonographische Techniken)
  3. Lymphographie

    1. Indikation: unklare Lymphgefäßerkrankungen, Nachweis der Defektlokalisation bei posttraumatischen Lymphödemen, insgesamt unklare Ödeme
    2. Durchführung: Anmeldung Indirekte Lymphangiographie in Xeroradiographietechnik.
  4. dynamische Lymphabfluss-Szintigraphie

    1. Indikationen: Ausschluss oder Nachweis der lymphogenen Genese einer Extremitätenschwellung, Objektivierung, Klärung von Extremitätenschwellungen unklarer Genese.
    2. Durchführung Radiologie

Therapie

  1. medikamentöse Behandlung

    1. Diuretika nur zeitweilig beim dekompensierten Lymphödem, insbesondere in der Initialphase
    2. ggf. ergänzend zur übrigen Therapie Cumarin/Troxerutin (Venalot Depot)
  2. physikalische Therapie

    Angewendet wird die sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE). Die KPE eine Tetrade, die aus zwei Phasen besteht, aus einer Phase 1: der Entstauung und aus einer Phase 2: der Konservierung bzw. Konservierung und Optimierung.

    Phase 1
    1. Hautpflege
    2. manuelle Lymphdrainage
    3. Kompressionstherapie (Kompressionsverbände, mind. 1 x tägl., insbesondere nach der manuellen Lymphdrainage zu erneuern und intermittierende apparative Kompressionstherapie (max. Druck 100 mmHg).
    4. entstauende Bewegungstherapie (individuelle Physiotherapie oder Venensportgruppe)
    Phase 2
    1. Kompressionstherapie im Unterschied zur ersten Therapiephase nun mittels maßangefertigten medizinischen Kompressionsstrümpfen (Klasse (II-) III - IV, ggf. doppelt Klasse II übereinander, flachgestrickt). Fortsetzen der manuellen Lymphdrainage statt tägl. nur noch 2x/Woche.
    2. Fortsetzung der Hautpflege und Bewegungstherapie.
    3. Ggf. intermittierende apparative Kompressionstherapie mit Heimgerät (Kostenvoranschlag und Kostenbeantragung über Sanitätshaus)
  3. spezielle dermatologische Therapie

    1. Therapie von Hautkomplikationen
    2. Therapie von Pilzinfektionen
    3. Therapie von Wundrosen (Erysipel)